Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

grund von den Pflichten aus der Tarifgemeinschaft
gegenüber‘ der Gewerkschaft anerkannt. Die Entscheidung
 ist lebhaft angegriffen worden, weil sie zwei getrennte
 Rechtssphären miteinander vermische, dem Arbeitgeber
 eine exceptio ex facto tertii gebe, eine Garantiehaftung
 der Tarifvertragspartei für das Verhalten der einzeinen
 Verbandsmitglieder zur Folge habe. Praktisch trägt
die Entscheidung jedenfalls in den Tarifvertrag die stillschweigende
 Klausel hinein, daß die Friedenspflicht
für jeden Teil nur so lange gelte, als nicht der im Rahmen
der Tarifgemeinschaft bestehenden Werksgemeinschaft
durch ein gemeinschaftswidriges Verhalten der Gegenpartei
der Werksgemeinschaft der Boden entzogen werde.
Das zeigt erneut, wie wichtig es ist, zwischen Werksund
 Tarifgemeinschaft klare Grenzen zu ziehen, namentich
 auc

die Tragweite des Gedankens der Klassengemeinschaft


(Berufssolidarität) für die Werks- und Tarifgemeinschaft
richtig festzulegen. ‘ Die Anerkennung einer allgemeinen
Solidarität der Arbeitnehmer, und erst recht der Arbeitgeber,
 wonach jeder sich das Handeln seines Berufsgenossen
 und insbesondere ‚der organisierten Gesamtheit seiner
Berufsgenossen wie eigenes Handeln soll anrechnen lassen
(vergl. $ 76 Arbeitsvertragsgesetzanlage), bedeutet eine
gefährliche Ueberspannung des Gemeinschaftsgedankeuns.

Von der Wirtschaftsdemokratie ist in diesen
Ausführungen. wenig die Rede gewesen. Mit Absicht! Denn
sie ist nur eine der denkbaren Formen für die Verwirklichung
 des Gemeinschaftsgedankens, aber keineswegs
die einzige. Die grundsätzliche Gleichberechtigung.:
 der Mitglieder einer Gemeinschaft
kann auch ohne sie bestehen; denn diese darf
sich nur nach Maßgabe der Zwecke der jeweils in Betracht
kommenden Gemeinschaft auswirken. Was für die staatliche
 Gemeinschaft das richtige ist, kann nicht schematisch
auf die Familiengemeinschaft und ebenso wenig auf die
Arbeitsgemeinschaft übertragen werden; und selbst für die
einzelnen Arten der Arbeitsgemeinschaft und Wirtschaftsgemeinschaft
 muß die ihren besonderen Aufgaben am besten
entsprechende Gemeinschaftsorganisation gefunden werden.
Die Forderung der positiven Einschaltung von Vertretern
der Arbeitnehmerorganisationen in alle Stellen der Wirtschaftsführung
 versucht die Wirtschaft in ein Schema
einzuzwängen, das die Lebensnotwendigkeiten ihrer verschiedenen
 Organisationsformen verkennt.

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