Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Das gewerkschaiftliche Programm der 
Wirtschaitsdemokratie. 
Von Universitätsprofessor Dr. Georg Halm, Würzburg. 
{n seinen ökonomischen Lehren theoretisch und prak- 
tisch schon vielfach widerlegt, ist der Marxismus endgültig 
zusammengebrochen, als sich erwies, daß er einer zur 
politischen Macht gekommenen Arbeiterschaft keine 
Richtlinien für die praktische Neugestal- 
tung des sozialen Lebens zu bieten vermochte. 
Weder im Rahmen des Kapitalismus noch auch nach des- 
sen Zersprengung, wie gegenwärtig in Sowijet-Rußland. 
Die Diktatur einer proletarischen Minderheit wurde von der 
deutschen Arbeiterschaft abgelehnt in der Erkenntnis, „daß 
jeder Versuch, eine solche Lösung durchzusetzen, eine 
iurchtbare Vernichtung der Produktivkräfte und in letzter 
Linie einen sicheren Verlust für die Arbeiterschaft bedeu- 
ten würde“, (Naphtali, Wirtschaftsdemokratie S. 9.) Hier- 
durch. ergab sich die Nötigung zu praktischer 
sozialer Arbeit innerhalb der kapitalistj- 
schen Wirtschaft und der Zwang, ein neues Arbeits- 
programm zu Schaffen, das zur Sinngebung für diese vom 
Marxismus vernachlässigte, ja sogar bekämpifte Gegen- 
wartsarbeit zu dienen vermochte. 
Das Programm heißt „Wirtschaitsdemokratie‘‘. 
Es ruht auf einem steigenden Persönlichkeitsbewußtsein der 
abhängigen Arbeiterschaft und will nicht nur einge Neu- 
ordnung der Verteilung anbahnen, sondern, dem Wesen 
der Demokratie entsprechend, ein Hineinwachsen 
der Arbeitnehmer in die Wirtschaftsfüh- 
rung, eine Aufhebung der Scheidung zwischen wirt- 
schaftlich Herrschenden und Beherrschten erreichen. Da- 
bei begnügt sich der nichtsozialistische Teil der Arbeiter- 
schaft mit dem etwas verschwommenen Hinweis auf die 
Notwendigkeit einer paritätischen Vereinigung von Arbeit- 
zebern und Arbeitnehmern. zum großen Berufsstand der 
wirtschaftlichen Arbeit, während die sozialistische Auf- 
fassung vollendete Wirtschaftsdemokratie 
mit Gemeinwirtschaft gleichsetzt. Denn Demo- 
kratisierung der Wirtschaft bedeutet ihr „die Beseitigung 
ieder Herrschaft und die Umwandlung der leitenden Organe 
der Wirtschaft aus Organen der kapitalistischen Interessen 
in solche der Allgemeinheit, ... Das Wesen der Wirt- 
schaftsdemokratie ist daher erst erfüllt, wenn die Verfü- 
zung über die Produktionsmittel nicht mehr einzelnen zu 
Privateigentum für private Zwecke zusteht. sondern einem 
Gemeinwesen der Wirtschaft . . .“ (a. a. O. S. 15). Gegen- 
wärtig bedarf man also des Kapitalismus um Seiner 
Produktivität willen, man weiß ihn nicht. zu ersetzen; 
;rotzdem zeigt aber das Programm der Wirtschaftsdemo- 
<ratie angeblich einen Weg, wie man 
den Kapitalismus von innen her aushöhlen, 
seine Grundlagen stückweise auswechseln, wie man ihn 
„umbiegen‘ kann, bis er endlich zur Sozialistischen‘ Ge- 
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