Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

„Wenn wir heute endgültig die Ideologie zu klären suchen“, 
bemerkte Tarnow auf dem Hamburger Kongreß, „dann heißt 
das, eine optimistischere. Auffassung über die Gestaltung 
der Lage der Arbeiterschaft in die Massen hineintragen, ‚als 
sie irüher da war. Das müssen wir schon deshalb tun, weil 
doch die Erfolge unserer Gewerkschaftsbewegung der 
lebendige Beweis dafür sind, daß wir auch schon unter der 
kapitalistischen Wirtschaft. aufsteigen konnten“. Diese opti- 
mistischere Auffassung kann sich gewiß nicht auf die Hoff- 
nung gründen, daß etwa „spätere Generationen die Mög- 
lichkeit haben, die Wirtschaftsdemokratie praktisch zu ver- 
wirklichen“. Sie kann sich jedoch in hohem Maße auf die 
von Prof, Lederer aufgezeigte „Umschichtung 
des Proletariats“, auf die Tatsache stützen, daß 
nachweisbar in den letzten 3% Jahrzehnten eine ständige 
Reduzierung des deutschen „industriellen Prole- 
tariats‘“ auf privatkapitalistischem Nährboden zu Ver- 
zeichnen ist. Wie will man ernsthaft eine Wirtschaftsord- 
nung verurteilen, die solche Kräfte ausgelöst hat und zweifel- 
los auch ‘weiterhin auslösen wird? So findet man trotz 
allem hinsichtlich der Beurteilung der künftigen Ausstrah- 
lungen der privatkapitalistischen Wirtschaftsweise auf die 
Lage der Arbeiterschaft auch bei den sozialistischen Ge- 
werkschaften einen verständlichen und sehr kräftigen Opti- 
mismus. Sollte ihnen nicht doch etwa die Wahrheit der 
warnenden, auch für die Wirtschaft geltenden Worte Jean 
Jaures’” zum Bewußtsein gekommen sein „Wenn die 
Sozialisten ihr Ziel erreicht haben werden, werden sie fin- 
den, daß ihre Seelen leer sind“? Obwohl das theoretische 
wirtschaftsdemokratische Programm einen Niederschlag 
solcher Erkenntnis vermissen läßt. 
Soziale Bauhütten. 
Von Dr. Schuster, Düsseldorf. 
Die sozialen Baubetriebs sind seit den Jahran 1919/20 
gegründet worden, um di: in der sozialistischen Partei- 
anschauung wurzelnde Gemeinwirtschaftsidee in die Praxis 
umzusetzen und damit gleichzeitig die Individualwirtschaft 
und das Privatunternehmen in der Bauwirtschaft zu 
untergraben. In dem bekannten Buche von Naphtali ist 
über Zweck und Ziel der Bauhütten eingehend berichtet. 
Wenn sich die Deutsche Bergwerks-Zeitung 
eine kritische Betrachtung der in dem eben erwähnten 
Buch von Naphtali niedergelegten Grundsätze zur Auf- 
gabe macht, so darf eine Betrachtung dieser Bewegung 
angesichts des gesteckten und an der Spitze hier 
vermerkten Zieles nicht fehlen. Die Fachgruppe 
Bauindustrie des Reichsverbandes der 
Deutschen Industrie hat erst im vergangenen 
Sommer 1928 eine Darstellung über das Wirken und die 
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