Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Düsseldorf, den 12. September 1929. 
Wirtschaftsdemokratie, mit allem, was man unter diesem 
Schlagwort zu verstehen pflegt, ist etwas, was wir Deutschen uns 
jetzt und auch in absehbarer Zukunft richt leisten können. Wir 
könnten sie uns selbst dann nicht leisten, wenn die Völker rund 
um uns herum ihr huldigten. Diese denken aber nicht daran, 
jedenfalls nicht diejenigen, gegen welche wir uns im Wettbewerb 
behaupten müssen, also in erster Linie die Amerikaner und die 
„großen. westlichen Demokratien‘“ einschließlich der Engländer 
und ihrer Labour Party. Wenn wir Deutschen uns frei arbeiten 
und dabei zugleich den Lebensstandard des ganzen Volkes heben 
wollen, und das muß doch unser Ziel sein, dann bleibt uns wur 
übrig, Leistungen zu vollbringen, die größer sind als die 
der anderen. Das erfordert aber vor allem: höchste Steigerung 
der Leistungsfähigkeit und der Leistung jedes einzelnen, äußerste 
Steigerung des Verantwortungsbewußtseins und der Verantwortung 
jedes einzelnen, natürliche Führerauslese und Befreiung des Führers 
von jeder vermeidbaren Hemmung, grundlegende “Erfordernisse, 
denen die Ideen der Wirtschaftsdemokratie nicht in ihrer Absicht, 
aber in ihrer praktischen Wirkung auf die Menschen im allgemeinen 
und auf die deutschen Menschen‘ im besonderen, wie sie einmal 
sind, direkt entgegenwirken. Daher ihre verhängnisvolle Gefähr- 
lichkeit für Deutschlands, Zukunft, eine Gefährlichkeit, die gesteigert 
wird durch den Schimmer, mit welchem diese Ideen auf die Massen 
wirken, und durch die evolutionäre, ja schleichende Art ihres Ein- 
Iringens in das Wirtschaftsleben, so daß die meisten unter uns diese 
Entwicklung gar nicht gewahr werden und ihnen verborgen bleibt, 
wie weit wir schon darin vorgeschritten sind, Darum war es höchste 
Zeit, daß die Verfechter der Sozialisierung der Wirtschaft dieses 
Schlagwort von der Wirtschaftsdemokratie geprägt haben, damit 
sndlich weite Kreise aufhorchen und sich über diese wichtige Lebens- 
Frage des deutschen Volkes klar werden. Wenn wir schon in Schlag- 
worten reden, so spreche ich als meine wirtschaftspolitische Auf- 
Jassung aus, daß das deutsche Volk sich bekennen muß und erzogen 
werden muß zur Wirtschaftsaristokratie, Aristokratie im Sinne 
der ‚„‚ari stot‘“, d.h. der Besten. 
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