Wahrheit liegt die Lösung nur in der Persönlichkeit selbst,
die insonderheit und m. E. allein im Glauben an Gott die
Kraft findet, sich über individuellem Sollen hinzugeben, ohne
darin zu verkümmern. Aber immer wieder stellt sich wie
von selbst dieselbe Panazee ein,
die Forderung nach der „neuen Ordnung“.
Sie ist es, die wieder Farbe und Vielgestalt in die Arbeit
und Seele und freudige Beschwingtheit in den Beruf bringen
soll. Sie ist,es, welche die fortorganisierte Menschenwürde
des modernen Arbeitsdaseins wieder in ihre Rechte
einsetzen soll.. ,
„Die neue Ordnung!” Kann es eine solche neue Ordnung
geben, die sich. unmittelbar in der Werkarbeit so
auswirkt, wie ersehnt? Kann insbesondere die Wirtschaftsdemokratie
diese geistige und seelische Belastung der modernen
Industriearbeit beseitigen? Es. gibt bekanntlich
mehrere Vorschläge, um den Betrieb wieder zu einer Stätte
schöpferischer Arbeitsireude zu machen, die Werkstattaussiedelung
von Rosenstock, die‘ Gruppenfabrikation von Hellpach
usw. All diese Vorschläge gehen von einer gemeinsamen
richtigen Erkenntnis aus und haben infolgedessen auch
einen an sich richtigen Grundgedanken. Ausgangspunkt bei
ihnen ist die Tatsache, daß der moderne Großbetrieb die
Gesamtproduktion für den einzelnen Arbeiter so zerreißt und
diesen auf einen so engen Ausschnitt an Mitarbeit beschränkt,
daß sowohl die geistige Uebersicht über den ganzen
Herstellungsablauf verloren geht, als auch die Möglichkeit,
durch die Mitwirkung an mehreren Bearbeitungsabschnitten
des Werkstückes etwas von der teilnehmenden
Freude des Handwerkers oder Künstlers an dem organischen
Wachstum des Produktes zu erleben. Daher gehen die erwähnten
Reformvorschläge darauf aus; diesen Erlebniskreis
durch künstliche Beschränkung der Werkstattweite und
durch künstliche Ausweitung der Mitarbeit des einzelnen
neuzuschaffen. Daß in solchen Gedanken eine Lösung des
Problems liegt, glaube ich nicht. Ihre Durchsetzung scheitert
aber auch praktisch einfach deswegen, weil diese Vorschläge
völlig von der wirtschaftlichen Bedeutung und Zwangs-Jläufigkeit
der modernen durchrationalisierten Produktion
absehen. So wie unsere Lage heute ist, mit der ungeheueren
außen- und innenpolitischen Belastung unserer Produktion
und dem auf ihr wuchtenden Druck der nach höheren Arbeitslöhnen,
kürzerer Arbeitszeit und stärkerer Befriedigung
ständig gesteigerter Bedürfnisse drängenden Massen können
derartige Reformvorschläge, weil sie aus reiner Humanität
dem Zuge und der Notwendigkeit der Rationalisierung
widersprechen, keinerlei Aussicht auf Erfolg baben. ;
Die Notwendigkeit zur Rationalisierung erkennen
auch die Gewerkschaften in vollem Umfange an.
und die Freien Gewerkschaften haben gerade auf dem Bres-Jauer
Kongreß ihre wirtschaftsdemokrafische Mitwirkung
mit der Begründung gefordert, daß die deutschen Unternehmer
sich als unfähig erwiesen ‘ hätten, die notwendige
160