Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Zeitalters der sozialen Imparität und der geistigen Unebenbürtigkeit
 werden im Tale verdämmern, und es wird keine
Privilegien mehr geben als nur das eine, allen gemeinsame
Privileg, in der wirtschaftsdemokratischen Gesellschaft —
oder ist es schon die sozialistische? ; — leben und weben
zu dürfen. Alle anderen Privilegien. werden, wie gesagt,
tot sein, auch das Bildungsprivileg.
Nun, soweit ‘das nicht einmal einheitliche Programm
 der Wirtschaftsdemokratie große wirtschaftliche
 und soziale Besserungen verspricht, wird €S der
kritischen Würdigung anderer Verfasser im Rahmen
dieser Sonderbeilage unterliegen. Wir beschränken
uns daher darauf, das Bildungsprogramm der
Gewerkschaften zu betrachten und insbesondere‘ den
Vorwurf des „Bildungsprivilegs“ auf seine Berechtigung
 zu untersuchen. ‚Bildungsprivileg? Was ist das?
Hat nicht jedermann in Deutschland die Freiheit,
sich alle . diejenigen “Bildungswerte anzueignen,
nach denen er Bedürfnis oder Verlangen hat?
Die Gewerkschaften Sagen: Nein! Sie greifen den extremsten
 Fall heraus und weisen mit einigem Recht darauf hin,
daß die Vollendung eines umfassenden Studiums Von der
sozialen Lage der Eltern oder des Schülers abhängig und
damit nicht jedem zugänglich ist. In Nummer 216 des
Jahrgangs 1928 brachte „Der Deutsche“, das Tagesorgan
 der christlichen Gewerkschaften, eine statistische
Uebersicht über die sozialen Verhältnisse der deutschen
Studenten unter der bezeichnenden Ueberschrift: „Wie
der Aufstieg der Tüchtigen aus dem Arbeiterstande
 in Wirklichkeit aussieht!“ Die
erwähnte Statistik machte dann über die soziale Herkunft
von 80541 Studierenden‘ des Winters 1926/1927 folgende
Angaben:

Fs waren die Eltern von Studenten:
Handel- und Gewerbetreibende 25 018,
Mittlere Beamte . 22 199,
Höhere Beamte 12 560,
Ausübende freier Berufe 7732,
Privatangestellte 4726,
Kleinlandwirte 4012,
Untere Beamte 2.025,
Großlandwirte 1893,
Offiziere und höhere Militärbeamte ! 213,
Arbeiter 1 161.
Der „Deutsche“ beginnt seinen Kommentar dieser
Zahlen mit dem folgenden Satz: „Die au {fällig geringe
 Zahl von studierenden Arbeitersöhnen
 zeigt, daß die freie Bahn den- Begabten
 aus dem Volke auch heute noch
verschlossen is 4.“ Stimmt das? Ist in Deutschland
dem Begabten aus dem Volke der Aufstieg so erschwert,
daß man von einem „Bildungsrprivileg“ der Begüterten
 sprechen kann? Da müssen wir zunächst eine
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