Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

und Förderung gegenwärtigen und erst adarmit künftigen 
Lebens. Unter diesem Gesichtspunkt erhalten sie also ein 
ganz anderes Gewicht und eine viel größere Dringlichkeit 
als die gewerkschaftlichen. Die Wirtschaft aber fordert: 
höhere Leistung der Volksschule ohne. Ver- 
Jängerung ‚der Schulpflicht, höhere Lei- 
stung der Berufsschule, ohne daß diese das 
Arbeitsschulprinzip bis zur Konkurrenz mit der praktischen 
Werkstattausbildung übersteigert, sie verlangt — gestützt 
auf Autoritäten wie Spranger, Hellpach, Dessauer u. a. — 
eine stärkere Beachtung der „Dlastischen Erzie- 
hungskräfte‘“, die in der Arbeit und Arbeitsorgani- 
sation des modernen Betriebes in Handel, Handwerk und 
Industrie stecken. 
Von den Schulen. aller Grade wünscht sie, daß sie 
wieder stille und selbstlose Diener an der Werkarbeit der 
Nation werden, die in einem viel höheren Grade, als es ihr 
selbst bewußt ist, in einen Kampf um ihr nacktes Dasein 
und um ihre geistige Selbstbehauptung verstrickt ist. Im 
Kriege stellte Lloyd George in öffentlicher. Rede fest, 
daß Deutschland mit den Leistungen seines Bildungswesens 
dem reichen England um ein halbes Jahrhundert voran Sei, 
Nirgendwo ist seit zwei Jahrhunderten mehr getan worden, 
um den geistigen und sittlichen Kräften des Volkes eine 
möglichst große Entwicklungsfreiheit zu geben, als in 
Deutschland. Nirgends geschieht heute mehr. Die Gren- 
zen, welche die trotz ihrer Schwächen erfolgreiche Päda- 
gogik der Vorkriegszeit in ihrer Tätigkeit beachtete, wird 
auch die Pädagogik von heute anerkennen müssen, vor 
allen Dingen in. dem Sinne, daß man gewerkschaiftlichen 
Forderungen zuliebe das Soziale Gefüge unseres Volkes 
nicht willkürlich und losgelöst von seiner beruflichen 
Grundlage ändern kann, Die Beachtung dieser Tatsache 
wäre wichtiger als klassenkämpferische Isolierung in Geist 
und Leben und als der Kampf gegen ein imaginäres 
Bildungsprivileg. 
Wirtschaitsdemokratische Wanderung 
in der Fremde. 
Von Wolfgang Krüger. Berlin, 
So wenig geklärt die Begriffsbestimmung des Wortes 
„Wirtschaftsdemokratie“ in unserem deutschen 
Sprachgebiet ist, so unklar, wenn nicht noch verworrener 
ist die Definition, die dieser Ausdruck im Auslande er- 
fährt — sofern er überhaust eine solche erfährt oder er- 
fahren hat. Alle vorhandenen Begriffsbestimmungen lassen 
sich jedoch auf eine Formel bringen, die den Vorzug hat, 
nicht nur das wiederzugeben, was unter Wirtschaftsdemo- 
kratie schon definiert, also verstanden worden ist, sondern 
auch das, was im Suchen nach einer Begriffsbestimmung 
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