Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

daß er als der einhundertfünfzigmillionste Teil der Kollek- 
tive Teilhaber zum gleichen Teil an den staatlichen Produk- 
tionsmitteln ist? Kann er diesen seinen Anteil veräußern, 
vergrößern, vererben — vertauschen? Er wäre ein Ab- 
trünniger, ein Feind der Revolution, und er kann es nicht. 
Und sind die Methoden, mit denen die staafliche Produk- 
tion in Rußland arbeitet, andere, als in den Ländern des 
sogenannten Kapitalismus? Hat nicht der Staats kom- 
missar eines Produktionsunternehmens in der Sozialisti- 
schen Wirtschaft genau wie der private Unternehmer in der 
sogenannten kapitalistischen Wirtschaft die Pflicht. das ihm 
anvertraute Gut zu hüten, zu bessern und zu mehren? Dient 
die Produktion in der sozialistischen Wirtschaft nicht auch 
dem Absatz? 
Das ıst der Kernpunkt der Frage. Sie dient auch hier 
dem Absatz. Aber das ist der Unterschied: In der freien 
Wirtschaft regelt die Nachfrage den Preis der Ware, 
In der sozialistischen Wirtschaft regelt den Preis der Ware 
und den Lohn der Staat, als Beauftragter der Kollektive, der 
alles Kapital vereint, der Staatskapitalismus. Er 
hat keine Konkurrenz und keine, Kritik mehr zu fürchten. 
Er diktiert. Er droht am Ende des Weges, der von der 
privat-kapitalistischen Wirtschaft . über die Wirtschafts- 
demokratie zum Sozialismus führt. 
Unternehmer und Wirtschaitsdemokratie. 
Von A. Heinrichsbauer, Essen. 
Der Sozialismus konnte seine jetzige politische und 
wirtschaftliche Machtposition nur erreichen, weil ihm auf 
bürgerlicher Seite und insbesondere beim Unternehmertum 
nichts Aehnliches an Entschlossenheit entgegenstand: diese 
Passivität ist — was besonders kennzeichnend :ist — nicht 
nur zu finden in solchen Kreisen, denen es wirtschaftlich 
schlecht geht, deren Passivität also bis zu einem gewissen 
Grade verständlich wäre, sondern vor allem auch bei den 
noch unter günstigeren Verhältnissen arbeitenden Gruppen, 
die lieber eine schleichende Gefährdung ihrer ganzen poli- 
tischen und wirtschaftlichen Existenz in Kauf nehmen, als 
eine Störung des Geschäftes riskieren. 
Auch den wirtschaftsdemokratischen Vorstößen gegen- 
über wird diese Passivität an den Tag gelegt. Gewisse 
sog. wirtschaftspositive Aeußerungen von Persönlichkeiten, 
die wie z. B. Naphtali' in der Linksbewegung führend sind. 
erzeugten 
die nur zu gern geglaubte Ansicht, daß die Führer 
vernünitig seien 
und daß sie ihre radikalen Programme nur aus taktischen 
Erwägungen aufstellten, während tatsächlich Aeußerun- 
gen dieser Art — sofern sie taktisch gemeint sind — nur 
177
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.