fullscreen : Der Weltmarkt 1913 und heute

Internationale Arbeitspolitik
bereits Stellung genommen. In einer Zeit allgemeinen Ärmerwerdens
 und außerordentlicher Belastung der Erzeugungskosten erscheint
 eine Maßnahme, die bei dem Fehlen von Ausgleichsmitteln,
zu einer Verringerung der Arbeitsleistung, also einer Erhöhung der
Produktionskosten, führen muß, mon vornherein nicht empfehlenswert.
 Der „internationale“ Charakter der Aktion ändert hieran nichts.
Nicht jede „internationale“ Aktion verbürgt weltwirtschaftlichen Vorteil.
 Dieser tritt vielmehr nur dort ein, wo sich internationale Regelungen
 auf einer wirklichen Gleichartigkeit und Gemeinschaftlichkeit
 der Bedürfnisse aufbauen. Dies ist bei der Arbeit nicht der Fall.
Sie ist je nach der wirtschaftlichen Eigenart der Länder differenziert
je nach dem Lebenshabitus, dem Wohlstand, der natürlichen Veranlangung
 der Arbeiter verschieden geartet. Eine Internationalisierung
bedeutet hier nicht eine Kodifizierung bereits bestehender Gleichheiten,
 sondern ein Gleichmachenwollen trotz entgegenstehender
wirtschaftlicher Differenzierungen. Es bedeutet nichts anderes, wenn
Arbeiterschaften unter völlig verschiedenen Arbeitsverhältnissen eine
internationale Festlegung der Arbeitsbedingungen auf Grundlage der
bestgestellten Arbeiter in der Welt verlangen wie etwa, wenn die
Landwirte einen Zollschutz verlangen, um die Ungleichheiten der
Erzeugungskosten zugunsten der teurer Produzierenden auszugleihen.
 In England hat unlängst ein Ausschuß der parlamentarischen
Arbeiterpartei einen Bericht über das „sweating“-System verfaßt und
ist dabei zu dem erstaunlichen Schluß gekommen, daß man die Definition
 dieses Wortes auf „alle Waren anwenden müsse, die nicht
unter den Arbeitsbedingungen der Arbeitszeitkonvention von
Washington hergestellt seien“, Der Bericht verlangt zur Durchfühung
 dieser Konvention die Anwendung des Boykotts gegen „Ssweated“-Waren.
 Mit anderen Worten, die englische Arbeiterschaft versucht
 unter Zuhilfenahme von Zwangsmitteln interstaatlicher Art
den Standard der ihr vorschwebenden und für England bereits bestehenden
 Arbeitsbedingungen auf Länder auszudehnen, die auf
Grund anderer, die Erzeugungskosten der Industrie minder belastenden
 Arbeitsbedingungen der englischen Industrie Konkurrenz machen
 können. Es handelt sich um kein anderes Prinzip als das der
nationalen Schutzzölle und seine Anwendung durch Agrarinteressenten
 oder Industrieunternehmer, Nur, daß hier zum Schutze der hei-111


            
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