Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Finfiluß der politischen Umwälzung aber auch im wesentlichen
 erschöpft — die Sozialisierungstendenzen.
die nach der Lehre von Marx auf Ueberführung des Eigentums
 an den Produktionsmitteln in die (jemeinwirtschaft gerichtet
 waren. Man sieht die Sachlage hiernach im ganzen
richtiger, wenn man das KWG, — für das die Vorarbeiten
übrigens bereits im Frühjahr 1918 aufgenommen wurden -—
mehr als evolutionäre wie als revolutionäre
Erscheinung betrachtet; mit andern Worten: wenn man bei
der Kritik der kohlenwirtschaiftlichen Regelung . nicht von
der Vorstellung einer freien Wirtschaft als Gegenbild ausgeht.


Es ist von. bleibender Bedeutung, daß seinerzeit beim
KWG. nach langen Meinungskämpfen der Politiker und
Wirtschaiftler aus allen Lagern

die ungeheure Gefahr des Experimentes vermieden
wurde, inmitten der privatwirtschaftlichen ‚Umwelt
eine „Vollsozialisierung‘‘ vorzunehmen,

d. bh. die Enteignung und Uebernahme der Bergwerksbetriebe
 in die öffentliche Hand durchzuführen. Mit der gemeinwirtschaftlichen
 Regelung ist man bekanntlich nicht direkt
in die Betriebe der Werke, sondern in den Vertrie bihrer
Erzeugnisse hineingegangen. Auch eine andere Gefahr
 wurde großenteils vermieden, die unter dem Eindruck
der Kohlennot und der durch die Kriegszeit geförderten allgemeinen
 Einstellung‘ der Bevölkerung auf die Gedanken
der „Güterverteilung‘“ und der „Bedarf{isdeckung“
 sehr nahe lag: Ausschaltung ‚des
ireien Handels durch Einfügung von Koöhlenhandelsgesellschaften
 in die gesetzliche Organisation, wie es noch im
ersten Entwurf des Gesetzes geplant War. Der Handel ist
nur durch Festlegung öffentlicher Preise, einheitliche Preisgrundlagen
 und dergleichen stärker gebunden worden.
Endlich hat das Kohlenwirtschaftsgesetz die Mitwirkung der
Arbeiter, Verbraucher und Händler auf die oberen Stufen der
Organisation beschränkt, um die kohlenwirtschaftlichen
 Fragen dort, losgelöst von örtlichen Sonderinteressen
und betrieblichen Streitigkeiten. auf höherem Niveau
behandeln zu können.
Der Grundgedanke des KWG. war bekanntlich, gemeinwirtschaftliche
 Ziele mit privatwirtschaftlichen Mitteln zu
erreichen, und zwar auf dem Boden der wirtschaftlichen
Selbstverwaltung der beteiligten Kreise (Unternehmer, Arbeiter,
 Verbraucher, Händler usw.), also eine Art gemeinwirtschaftlich
 beeinflußter, im übrigen aber durchaus privatwirtschaftlicher
 „Planwirtschaft“ zu treiben, Wie eingangs
gezeigt, gibt es in Deutschland bei realpolitischer Betrachtung
 keine Alternatıve zwischen öffentlich beeinflußter und
ireier Kohlenwirtschaft, sondern nur zwischen verschiedenen
Arten und Graden der öffentlichen Beeinflussung. Gewiß
kann man über deren Zweckmäßigkeit im einzelnen sehr
verschiedener Meinung Sein. Mir erscheint jedenfalls, wie
ich auch beim Kongreß der Internationalen Handelskammer
in Amsterdam ausgeführt habe, das amerikanische System,
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