Full text: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

sein, die in drei Etappen, der Eroberung der Han- 
deisindustrie, dann der Fabrikindustrie und 
schließlich der Agrarindustrie, vor sich gehen Soll. 
Jetzt wird die Konsumgenossenschaft die 
Herrin der Produktion, die nur noch auf Befehl 
zu arbeiten hat und nur noch das liefern wird, was man 
von ihr verlangt. Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Ver- 
treter des Konsumgenossenschaftsgedankens gehen aber 
nicht so weit, so spielt zwar die Genossenschaft bei 
B. und S. Webb, Ed. Bernstein und auch Wil- 
brandt eine hervorragende Rolle in einem Reform- 
programm der Wirtschaft, aber eine Umwälzung 
der Wirtschaft wird auch bei weiterer Ausdehnung der 
Eigenproduktion nicht möglich sein. Nach neueren Stim- 
men, z. B. „Die Arbeit“ 1928, 182, weist die Durch- 
organisierung der Wirtschaft, die Monopolisierung, den 
Konsumgenossenschalten ganz neue Auf- 
zaben zu. Während bisher Eigenproduktion getrieben 
wurde, um in den Genuß der Vorteile eines Großbe- 
triebes zu kommen, erfordert die heutige Entwicklung 
des Kapitalismus, daß die konsumgenossenschaftliche 
Figenproduktion vor allem als Gegenpol gegen 
privatwirtschaftliche Monopole 
anzusetzen ist. Um den Kampf gegen internationale Kartelle 
wirksam aufzunehmen, wird ein internationaler Zu- 
sammenschluß der Konsumgenossenschaf- 
ten erforderlich sein. 
Bei den gewerblichen Genossenschaften ist die Abwehr 
gegen etwaige Machtmißbräuche bestehender Monopole 
nicht mit dem Gedanken der Eigenproduktion, wie schon 
oben ausgeführt, verknüpft. noch weniger sind es Wwirt- 
schaftsreformatorische Programme, denen sie folgen, 
obwohl es heute schon eine Reihe von Produkten gibt, die 
von den Genossenschaften selbst hergestellt werden könnten, 
z. B. Leder von den Schuhmachergenossenschaften, zumal 
sich der größte Teil der deutschen Häute in den Händen 
von Häuteverwertungsgenossenschaften befindet, oder 
kosmetische Markenartikel durch zentrale Friseurgenossen- 
schaften, Hefe durch die Bäckergenossenschaften usW. 
Abgesehen von dem großen Risiko der Eigenproduktion, das 
noch größer sein wird als bei der Eigenproduktion der 
Konsumgenossenschaften, haben die gewerblichen 
Warengenossenschaften vielfach nur einen 
geringen Ausnützungsgrad ihrer händ- 
lerischen Kapazität erreicht, so daß auf diesem 
Gebiet noch genügend Raum für genossenschaftliche Betä- 
tigung bleibt. Doch darf nicht vergessen werden. daß sich 
auch in diesen Kreisen die Stimmen mehren, die zum 
Kampf gegen wirkliche oder vermeintliche 
Preisdiktate von Konzernen auffordern, aller- 
dings weniger mittels Eigenproduktion, als” durch ver- 
stärkten genossenschaftlichen Zusammenschluß, wobei im 
Vordergrunde die Forderung nach Gewährung des Groß- 
handelsrabattes steht. 
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