Full text : Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

rechenhafte und verantwortungsbewußte Genossenschaftsleiter
 denkt hierüber ganz anders als manche Vertreter
konsumgenossenschaftlicher Theorien. Er weiß, daß nur
ein Schritt abseits vom Wege konsumgenossenschaftlicher
Ziele, nämlich den Mitgliedern gute und billige Waren zu
verschaffen, zum Ruine führt, wie so manches Beispiel aufzeigt.
 Es ist nicht Aufgabe dieser Genossenschaften, wenn
sie sich wirtschaftliche und nicht politische Ziele setzt,
Arbeitsmarktpolitik zu treiben. Und durch nichts kann das
Wort von Gide, „wenn ihr die Kaufleute ersetzen wollt,
dann wisset, daß ihr nur unter der Bedingung an euer Ziel
gelangt, daß ‚ihr nicht selbst Krämer werdet‘, besser
widerlegt werden, als durch obigen Hinweis. Im Gegenteil,
wenn die Genossenschaften den Kaufmann ersetzen wollen,
dann müssen sie unter die „Krämer‘ gehen, und wenn
sie gar den Produzenten ersetzen wollen, müssen sie erst
recht unter die Produzenten. -d, h. nüchtern rechnenden
Wirtschafter gehen.
Eine große Rolle spielt die Eigenschaft der Eigenproduktion
 als bestes Mittel zur Bekämpfung der Monopole;
die Möglichkeit, durch die Genossenschaft ein Konsumentenmonopol
 zu schaffen, wird als fraglich hingestellt, da die.
Produktion sich jedem derartigen Monopol durch sofortige
Verringerung des Produktionsumfanges entziehen kann,
während umgekehrt die Konsumtion nicht in demselben
Zeitpunkte eingeschränkt werden kann; nur die Eigenproduktion
 kann da helfen. Die Einkaufskonzerne der
Warenhäuser, der großen Filialgeschäfte usw. beweisen
aber, daß das
Uebergreifen in die Sphäre der Produktion auch
ohne FEigzenproduktion

möglich ist. Ein Einkaufskonzern, der z.‘B. über 100 Mill.
RM Textilien jährlich einkauft, kann sich ganze Produk-Honszweige
 dienstbar machen, aus den Einkaufskonzernen
können Verleger werden, aus den Fabriken Lohniabriken.
 Auch für die Genossenschaften dürfte es zutreffen,
 daß der sechs- oder gar siebenstellige Barscheck
siner zentralen Einkaufsgenossenschaft in der Sphäre der
Produktion größere Wirkungen erzielt als manche noch
zo gut funktionierende Eigenproduktion. — (Uebrigens die
beste Illustration zu der Fragwürdigkeit des Satzes von
der Monopolmacht z. B. in der weiterverarbeitenden In-Austrie.)
 — Auch neuere Forderungen, wie die nach der
konsumorientierten Wirtschaft — (z. B.-v.
Nell-Breuning S. J.) — nicht nur in quantitativer, sondern
auch in qualitativer Hinsicht, z. B. nur Deckung des sogenannten
 wertechten Bedarfes, werden auch
lie Genossenschaften nicht von der Tatsache befreien, daß
»ben letzten Endes der

Konsument über den Bedarf bestimmt.

Aus den letzten Jahren lassen sich eine Reihe Beispiele dafür
erbringen, wie gefährlich es ist, dem Konsumenten eine
bestimmte Richtung des Bedarfes vorzuschreiben.
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