Full text : Gewerbewesen (Teil 1)

20 Die gewerbliche Arbeit u. ihre Organisation.
vollbracht, weil ein Meister sich im Besitz eines persönlichen
Könnens befindet, sondern weil jedermann, der sich mit dem
Gegenstande beschäftigt, die Gesetze kennt, die dem technischen
Vorgang zugrunde liegen und deren korrekte Befolgung auch
jedermann den Erfolg verbürgt. War früher gearbeitet
worden nach Regeln, so vollzieht sich jetzt die Tätigkeit nach
Gesetzen, deren Ergründung und Anwendung als die eigent—
liche Aufgabe des rationellen Verfahrens erscheint. Die
Technik tritt damit in eine bedingungslose Abhängigkeit von
den theoretischen Naturwissenschaften, deren Fortschritte allein
noch über das Ausmaß ihrer eigenen Leistungsfähigkeit
entscheiden. Man kann deshalb auch deutlich wahrnehmen,
wie die Etappen der modernen Technik bestimmt werden
durch die großen, epochemachenden Ereignisse im Gebiete
der naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Die erste Station
bilden die Gesetze der Mechanik, die durch Newton ihre
vorläufig definitive Feststellung erfahren; dann möchte ich
einen zweiten Markstein setzen in die 1780er Jahre, in
welchen Lavoisier die Theorie der Verbrennung begründet;
das dritte große Ereignis, das für die Entwicklung der
Technik bestimmend wird, fällt in das Jahr 1828 (Synthese
des Harnstoffes durch Wöhler); während endlich die letzte
besonders fruchtbare Epoche der modernen Technik eingeleitet
wird durch die Aufstellung des Gesetzes von der Erhaltung
der Energie durch Robert Mayer im Jahre 1841. Weshalb
gerade diese Entdeckungen epochemachend für die Technik
geworden sind, werden erst die folgenden Auseinandersetzungen
deutlich erkennen lassen. Das materiale Prinzip der modernen
Technik aber ist:
Emanzipation von den Schranken des Organischen: das
bedeutet in etwas anderer Fassung soviel, wie Ersatz der
Natur durch die Kunst, der lebendigen durch die tote Natur,
des Persönlichen durch das Sachliche, der Qualität durch
            
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