Gesundheits- und Wohnungsverhältnisse, 637
eine Ausnahme und baute auch cottages für seine Arbeiter.!)
Bei der raschen Bevölkerungszunahme in den Fabrikstädten
fehlte es nicht nur an Mitteln zur Erbauung der genügenden
Zahl guter Wohnungen: die neuen Fabrikstädte waren auch
so überaus unschön und rein auf praktische Zwecke angelegt,
es fehlte so sehr an erhebenden schönen Gebäuden, dass dies
allen Sinn der arbeitenden Massen für eine ästhetisch schöne
und dadurch liebenswerthe Heimath ersticken musste.
Wir sehen aus Aikin, wie schlimm die Wohnungszustände
in Manchester schon im vorigen Jahrhundert waren und wie
dieselben nicht nur die Gesundheit der armen Arbeiter selbst,
sondern die der ganzen Bevölkerung bedrohten. Spätere Zeug-
nisse beweisen uns, in wie erschreckendem Maasse sich solche
Zustände verbreiteten.
Der Children’s employments Report von 1833°% erzählt
z. B., dass in Birmingham die Arbeit als solche selten schäd-
lich sei, dass aber die Kinder Hunger leiden und dass schlecht
gelüftete Arbeitsräume schädlich wirken; dass in Wolverhamp-
ton die Lehrlinge verdorbenes Fleisch von kranken Kühen
bekommen und in Willenhall viel missgestaltete Kinder zu
sehen sind. In der Töpferei kommen Arsenikvergiftungen, in
der Glasmacherei andere Krankheiten vor. Und die Troeken-
schleifer in Sheffield leben dann am längsten, wenn sie sich
frisch vom Lande hereingekommenen Personen am empfänglichsten
für solche Ansteckungen sind und da es sehr oft vorkommt, dass
sie wenige Tage, nachdem sie in ein solches verpestetes Haus ge-
zogen sind, krank werden, so entsteht daraus ein doppelter Scha-
den für die Stadt, die sowohl deren Arbeitskraft einbüsst, als sie
den Kranken auch noch Unterstützungen zukommen lassen muss,
Eine grosse Anzahl der Hauskranken des Hospitals besteht aus
derartigen Leuten. Es ist nicht zu beschreiben, wie entsetzlich
diese Häuser sind; oft legt sich ein frisch vom Lande gekommener
Miether in ein Bett, das noch von dem letzten Inhaber her voller
Ansteckungsstoff ist, oder aus dem erst seit wenigen Stunden die
Leiche eines Fieberopfers hinweggenommen worden war.
Folgen einige Vorschläge zur Abhülfe.
2» S. Aikin a. a: 0, S. 268.
2) 8. 100 ff.