Subsidiengesetz zugunsten seiner Unternehmung durch-
zusetzen. . -
An und für sich bildet die von Morgan geschaffene
und geplante Organisation keine Gefahr für die beiden
großen deutschen Reedereien, denn es ist eine alte Er-
fahrung, daß die Konkurrenz eines großen ebenbürti-
gen Unternehmens viel leichter zu ertragen und durch
Verträge in Grenzen zu halten ist als der regellose
Wettbewerb einer Reihe von kleinen Reedereien. Auch
die staatliche Unterstützung, solange sie über ein den
Verhältnissen entsprechendes Maß nicht hinausgeht,
würde die amerikanische Unternehmung nicht ohne
weiteres den deutschen Interessen gefährlich er-
scheinen lassen. Die Gefahr liegt vielmehr in der Ver-
quickung amerikanischer Eisenbahninteressen mit den-
jenigen der Reederei.
Es ist notorisch, daß Morgan diese grcßen Trans-
aktionen als Führer eines Syndikats unternimmt, wel-
chem eine Reihe der bedeutendsten und unterneh-
mendsten Geschäftsleute der Vereinigten Staaten an-
gehören. Ganz besonders sind in dieser Vereinigung
die Eisenbahninteressen stark vertreten. Morgan selbst
hat während seiner Anwesenheit in London vor einigen
Monaten englischen Schiffahrtsinteressenten gegen-
über über den Zweck seiner Unternehmungen sich da-
hin ausgesprochen, daß seinen Berechnungen nach fast
70 Prozent aller Güter, welche zur Verschiffung von
den nordatlantischen Häfen nach Europa bestimmt
sind, durch die Eisenbahn auf Durchkonossemente
nach den Hafenstädten gebracht und dort den fremden
Schiffahrtsgesellschaften zum Weitertransport aus-
geliefert würden. Morgan und seine Freunde vermögen
nun — wie Morgan sagt — nicht einzusehen, warum
die Eisenbahngesellschaften den geschlossenen Beför-
derungsvertrag auf fremde Transporteure für die
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