23
der intellektuellen, unermeßlich zugenommen. Wenn Ma
schinen und die Herrschaft über die Naturkräfte des Man
nes physische Kraft verhältnismäßig entwerteten, so wuchs
die Nachfrage nach seinen geistigen Fähigkeiten, seiner
nervösen Energie und nach feinerer manueller Geschick
lichkeit in der Arbeit des täglichen Lebens ins Unabseh
bare.
Nach zahllosen neuen Richtungen eröffneten sich dem
modernen Manne ehrende und einträgliche soziale Arbeiten,
von denen sich seine Ahnen nichts träumen ließen, und
täglich wachsen sie noch an Zahl und Wichtigkeit. Dampf
schiff, hydraulischer Lift, Eisenbahn, elektrische Tram
bahn, Dampfmühle, Maximgeschütz und Torpedoboot mö
gen, wenn sie fertig sind, ihre Arbeit mit Leitung und
Hilfe verhältnismäßig weniger Hände verrichten; aber zu
ihrer Erfindung, Konstruktion und Erhaltung bedarf es
einer ganzen Armee von Gelehrten, Technikern und tüch
tig geschulten Arbeitern. Im Bereich der Kunst, Wissen
schaft, Literatur und vor allem in der Politik und Verwal
tung hat eine fast unendliche Vermehrung der Männerar
beit stattgefunden. Während in primitiver Zeit die Frau
oft der einzige Baumeister war und die Muster, die sie auf
die Wände ihrer Hütte oder auf irdene Gefäße kleckste,
die einzigen Versuche bildender Kunst waren, und wäh
rend später wenige Männer genügten, um da oder dort ein
Königsschloß, ein Gotteshaus zu errichten oder es mit Sta
tuen und Bildern zu schmücken, ist heute eine Millionen
starke Armee beschäftigt, bildende Kunst zu schaffen, hohe
und niedere, vom Plakat und den Illustrationen in Pfennig
journalen bis zu den Bildern und Statuen, welche unsere
Nationalgalerien schmücken, und die einst nur jagenden
und kämpfenden Männer haben ein mächtig großes Ar
beitsfeld gewonnen. Wo einst eine alte Wunderdoktorin
vielleicht das einzige Geschöpf in der ganzen Gegend war,
das die Naturkräuter und Gesteine .studierte, oder ein