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individualistische und a t o m i st i s ch e Weise (durch
individuelle, atomhafte Beiträge) die Gesamtwirtschaft der
Menschen entstände — gibt es gar nicht und kann es der Natur
der Dinge nach niemals geben. In diesem individualistisch-
atomistischen Sinne ist der Begriff der Verkehrswirtschaft gar
nicht zu Ende zu denken und eine reine Utopie. Dieser indivi
dualistische Begriff der Verkehrswirtschaft kann methodologisch
lediglich die Bedeutung einer bedingten Unterstellung, eines
Gedankenversuches haben, niemals aber beanspruchen, auch
nur einen Zoll von wirtschaftlicher Wirklichkeit in sich zu befassen.
Noch entsteht aber die Frage, wieso der Einzelne an den
wirtschaftlichen Ganzheiten teilnehmen kann.
Darauf ist die bündige Antwort: Nur dadurch, daß er kein
Vereinzelter ist, daß er seine Einzelheit, seine Subjektivität
verliert und zum Gliede einer höheren Ganzheit, einer ge
meinsamen geistigen Welt wird! Denn wodurch können denn
„Einzelne" überhaupt miteinander „verkehren", „wirtschaften"?
— nur insofern sie alle an der Ganzheit der Wirtschaft (Volks
wirtschaft) schon von Natur und Anlage aus teilnehmen.
Die Durchführung dieser Teilnahme ge
schieht aber durch zweierlei: Durch Gemein
samkeit der Wirtschaftsziele, d. h. des Geistigen der Gesellschaft,
des Lebens überhaupt; und durch die daraus schließlich fol
gende Gemeinsamkeit der Wirtschaftsmittel. Diese Gemein
samkeit muß keine vollkommene, auf alle Einzelheiten durch
gängig sich erstreckende sein, das wäre gar nicht möglich,
da es ganz gleiche Menschen nicht gibt; aber sie muß stets
wenigstens in den Grundzügen vorhanden sein. In diesen
Grundzügen aber bedeutet sie: daß die Gliedhaftigkeit des
Einzelnen im geistig-sittlichen Lebensganzen der Kultur schon
bestehen muß, ehe er in die Wirtschaft aktiv eintritt!