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fügen Jnteressenorganisationen, ja man kennt sogar die viel weiter
gehenden Formen des Absatzkartells und des Kleinhändler-
t r n st 8, Während eines längeren Anfenthaltes in Reims (Cham
pagne) deckte ich meinen Bedarf an Lebensrnitteln nsw. in der
Societe remoise, einem Detaillistentrust. Dieser Trust, gebildet von
einigen Hundert Kolonialwarengeschäften der Stadt Reims und Um
gegend, entstand unter dem furchtbaren Drucke von Massenfilial-
betrieben. Zuerst schlossen sich die bedrohten Kleinhändler, soweit
sie überhaupt noch existenzfähig waren, zu einer straff organisierten
Einkaufsgenossenschaft zusammen. Sie verkauften als Glieder dieser
Genossenschaft unter gemeinsamer Firma und verpflichteten sich,
Läden immer nur in bestimmter Entfernung von einander zu er
öffnen. Die Konkurrenz der anderen Filialbetriebe drängte aber zn
einem noch strafferen Zusammenschluß, der allmählich zu einer voll
ständigen Vertrustung geführt hat. Selbständige Lebensmittelgeschäfte
sucht man in Reims vergebens. Es gibt höchstens Spezialgeschäfte
für Tee, Kakao, nicht viel anders ist es in den Dörfern der Umgegend?)
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika be
stehen Detaillisteutrusts für Kolonialwaren, Schuhwaren und Schnitt
waren. Auch in Deutschland sind straffe Kleinhändlerorgani
sationen nicht unbekannt. So berichtet Hirsch über einen Fall, wo
eine Einkaufsgenossenschaft in Hannover einen Großfilialbetrieb
durch Errichtung gemeinsamer Verkaufsstellen verdrängte?) Wo der
Mangel an Solidarität der Kleinhändler nicht allzugroß ist, dürften
sich die Fälle wiederholen, und so würde eine neue Form desMassen-
filialbetriebes entstehen, die befähigt sein dürfte, den Kampf mit den an
deren Gebilden in der Güterverteilung an den Konsumenten aufzu
nehmen. Es ist sogar anzunehmen, daß Kleinhandelstrusts mit der
sich immer mehr zuspitzenden Konkurrenz allgemein entstehen werden.
Daun würde es die Konsumgenossenschaft bei der Konkurrenz um
den Absatz letzten Endes nur noch mit Großbetrieben zu tun haben,
wenigstens in den meisten nnd wichtigsten Branchen. Da wäre nun
zu erörtern, ob die konsumgenossenschaftliche Gütervermittlungsform
spezifische Vorteile genug hat, um Sieger im Kampfe zu bleiben.
Stellen wir darum einmal dem konsumgenossenschaftlichen Massen-
filialbetrieb den kapitalistischen gegenüber, d. h. wägen wir ihre
1) Näheres siehe in der Revue d’dconomie politique v. 1912, Art. von
Gemahlin g: La concentration commerciale sans grands magasins. Im
Internationalen Genossenschaftsbnlletin vom 1. September 1912 finden wir
darüber mehrere solche Fälle aufgezählt.
2) Hirsch a. a. O. S. 259.
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