290 DIE TECHNIK DES WIRTSCHAFTLICHEN VERKEHRS
unmittelbar zwischen den Parteien mit Ausschaltung des Arrange-
mentbureaus, jedoch mit Benützung der Einrichtungen des Wiener
Giro- und Kassenvereins, zweimal wöchentlich reguliert.
Außerdem wurde für die Arrangementwerte zur Erleichterung
der Übergangsschwierigkeiten, die sich aus der durch das Gold-
bilanzgesetz bedingten Aktienzusammenlegung ergeben, ab 1. Jänner
1927 der Handel ohne Schlußeinheiten mit unmittelbarer Erfüllung
am. dritten, dem Abschlußtag folgenden Börsetag eingeführt (Handel
per Kassa in Arrangementwerten).
Der Zeithandel in Effekten (per medio, per ultimo) ist noch
suspendiert, seine Wiedereinführung steht in Beratung; doch können
Prämiengeschäfte abgeschlossen werden!*).
Die Kurse werden nur bei den Staatswerten der Republik Öster-
reich in Prozenten der Währung des Nennwertes, im übrigen in
Schilling angegeben; bei den anderen festverzinslichen Werten gelten
als Notierungseinheit in der Regel 100 Einheiten der betreffenden
Währung (bei Guldenwährung 50 fl). Aktien und Lose notieren per
Stück tel quel (ohne Zinsberechnung).
Die Feststellung der amtlichen Kurse wird von den Sensalen
unter Vorsitz eines Börserates in Gegenwart des Börsekommissärs
vorgenommen und ist verschieden, je nachdem es sich um Schranken-
oder um Kulissewerte handelt. Für jene erfolgt die Feststellung der
sogenannten „Einheitskurse‘“ erst 1/» Stunde nach Schluß der offi-
ziellen Börse auf Grund der an die einzelnen Sensale gelangten
Aufträge15) so, daß alle „Bestens‘“-Orders, dann alle höher limi-
tierten Kauf- und alle niedriger limitierten Verkaufaufträge ausge-
führt erscheinen1®). Für eine Anzahl von Schrankenwerten werden
aber schon während der Börsezeit Taxationen durch die Sensale ver-
öffentlicht, der sogenannte „fließende Schranken‘. In den Kulissen
hat der von der Börseleitung bestimmte Kulissier alle vorgefallenen
Schlüsse zu notieren, auch den „ersten Kurs‘‘ festzustellen und bei
der Feststellung des „Schlußkurses‘‘ mitzuwirken.
Die Warensektion der Wiener Börse wurde bisher weniger
zum Abschlusse von Geschäften, als wegen ihres Schiedsgerichtes
benutzt; erst in neuester Zeit sind im Rahmen der Warensektion
Börsen für einzelne Artikel (Holz, Leder, Schuhe usw.) geschaffen
worden. Man unterscheidet Geschäfte mit prompter Lieferung; hiebei
14) Der Handel in Devisen und Valuten ist seit 30. Dezember 1926
frei und wird an der Börse durch zwei Sensale und eine Anzahl Agenten
vermittelt.
15) Die Sensale teilen sich derzeit in 14 Gruppen, denen je eine be-
stimmte‘ Anzahl Effekten zur Vermittlung zugewiesen ist.
1) Bei großer Nachfrage und fehlendem Angebot wird das Effekt auf
einer Tafel mit -—_, im umgekehrten Falle mit — aufgezogen.