Full text : Die Social-Demokratie

Ehe.

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„Mitgliedes  des  Priesterstandes,  sowie  die  Führung  des
„  Civilstandsregistcrs  seitens  eines  solchen  ist  augenscheinlich
„ein  Vorrecht  des  Letzteren,  welches  aus  den  Zeiten  her
„datirt,  wo  Adel  nnd  Geistlichkeit  die  socialen  Beherrscher
„des  übrigen  Volkes,  des  dritten  Standes  waren.  Wenn
„auch  nun  gegenwärtig  dieses  Vorrecht  in  der  Bourgeois-„gesellschaft
  ein  verhältnißmäßig  unwesentliches  ist  und  eigent-„lich
  nur  dazu  dient,  durch  Empfang  der  Sporteln  das
„Einkommen  der  Priester  zu  vervollständigen,  so  ist  doch
„nicht  zu  leugnen,  das;  inan  che  Chitone  und  häufiger  religiöser
„Gewissenszwang  die  Folge  der  mißbräuchlichen  Handhabung
„des  priesterlichen  Ehezwanges  sind.  Aus  diesen  Gründen
„durften  die  Social-Demotraten  unter  keinen  Umständen
„für  die  Aufrechthaltnng  des  bisherigen,  sich  längst  über-„lebt
  habenden  Zustandes  eintreten."
„Auf  der  anderen  Seite  ist  aber  der  neue  Gesetzentwurf,
„welcher  die  Civilehe  einführt,  nichts  anderes  als  die  voll-„ständige
  Verkörperung  der  B  ourgeoisidec  über  die  Ehe.
„Vor  80  Jahren  war  eine  solche  Maßregel  revolutionär,
„jetzt  ist  sie  bereits  reaktionär  gegenüber  den  socialistischen
„Principien.  Indem  nämlich  durch  die  Civilehe  der  Geist-„lichkeit
  ihre  bisherige  Machtvollkommenheit  entzogen  wird,
„entsteht  aus  dem  Sakrament  der  Ehe  ein  einfacher  bürgcr-„licher
  Kontrakt.  Die  Eheschließendcn  verzichten  im  Princip
„auf  den  wunderthätigen  priesterlichen  Segen  und
„treffen  lediglich  die  kontraktliche  Uebereinkunft,  daß
„die  aus  der  Ehe  entspringenden  Kinder  Anspruch  auf  Er-„nährung
  und  Erziehung  durch  Eltern,  sowie  Erbberechtigung
„haben."
„Damit  werden  die  Prostitution  und  die  grausame,
„entehrende  Ausnahmestellung  der  unehelichen  Kinder  nicht
„nur  nicht  beseitigt,  sondern  sie  wuchern  fort  und  fort  schlim-
            
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