Metadata: Statische oder dynamische Zinstheorie?

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Amonns Einwand ist aber nicht stichhaltig, wenn er die 
Einwirkung der Ausgabe zusätzlicher Kaufkraft auf die Güter- 
welt als einen Fall bezeichnet, der nur unter besonderen Um- 
ständen eintreten wird. Der Geldzins ist heutzutage, darin 
stimmen wir Schumpeter vollkommen zu, für den Unter- 
nehmer maßgebend, der Geldmarkt ist das Barometer der Wirt- 
schaft!). Eine Herabsetzung des Bankzinses muß deshalb un- 
mittelbar zur Durchsetzung jetzt rentabel gewordener neuer 
Kombinationen. anreizen. Cassel erfaßt daher in seiner Kon- 
junkturtheorie die Situation ganz richtig, wenn er dort fest- 
stellt, daß durch das Niedrighalten des Bankzinses bei an- 
steigendem Realzins in der Aufschwungsperiode der Anreiz 
zur Ausdehnung der Realkapitalproduktion noch verstärkt wird. 
Wir sind demnach mit Schumpeter und Cassel darüber 
einig, daß die Herabsetzung des Bankzinses eine zinsdrückende 
Wirkung, wenn auch nicht gleich, wie Cassel annimmt, so aber 
doch nach einer gewissen Zeit ausübt, indem erst eine Auf- 
schwungsperiode mit steigendem Realzins einsetzt, die, sobald 
die Diskrepanz zwischen Bankzins und Realzins durch Herauf- 
setzung des ersteren seitens der Bankleitung beseitigt ist, in 
eine Depressionsperiode übergeht, und hier eine stärkere Senkung 
des Zinsfußes eintritt, als sie sonst, ohne die Ausgabe zusätz- 
licher Kaufkraft, eingetreten wäre. Wie weit diese Zinsdrückung 
mit Hilfe der Geldschöpfung getrieben werden kann, ist aller- 
dings eine andere Frage. Wir stimmen hier Adolf Lampe*) 
und Heinrich Mannstaedt®) zu, wenn sie diesen Einfluß 
der Kreditschöpfung auf den Zinsfuß einschränken wollen, 
indem sie gegenüber Albert Hahn, der bekanntlich genau 
wie Schumpeter in der Geldschöpfung das Wesen des modernen 
Kreditgeschäftes sieht‘) und ebenfalls eine Eliminierung des 
1) Schumpeter, Entwicklung, S. 204/05, Vgl. auch Halm, Georg, 
Das Zinsproblem am Geld- und Kapitalmarkt, Jahrbücher f. National- 
ökonomie und Statistik, 3. Folge, 70. Bd., 1. u. 2. H., Jena 1926, bes. 
Ss. 98/99. 
?) Lampe, Zur Theorie d. Sparprozesses u, d. Kreditschöpfung, Jena 
1926, S. 124/26, 130. 
3) Mannstaedt, Ein kritischer Beitrag z. Theorie d. Bankkredites, 
Jena 1927, bes. S, 30/31, 35/36. 
*) Hahn, Albert, Volkswirtschaftliche Theorie d. Bankkredits, 2, Aufl., 
Tübingen 1924, bes. S. 29, 120ff. 
Heinze, Statische oder dynamische Zinsthecrie?
	        
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