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DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
kürzt werden und dadurch leicht Anlaß zu Verstümmelungen
und Verwechslungen geben. Die Tatsache, daß es heute in fast
allen Hauptstädten ein „Grand-Hotel‘“, ein „Bristol“, ein
„Palast-Hotel‘“, ein ‚Viktoria‘ gibt, ist darauf zurückzuführen,
daß man mit besonderer Vorliebe, und auch mit Recht, solche
Namen wählt, die in den wichtigsten Sprachen, im Deutschen,
Englischen, Italienischen, Spanischen und Französischen,
ziemlich gleichmäßig ausgesprochen und verstanden werden.
Ob es zweckdienlich ist, dem Hotel den Namen seines Eigen-
tümers zu geben, ist eine Frage, die sich nicht ohne weiteres
beantworten läßt. Es hat seine guten und seine schlechten
Seiten. Die gute Seite ist, daß der Besitzer zusammen mit seinem
Hotel bekannt wird. Die schwierigere Seite der Namenfrage
beginnt beim Verkauf. Der Besitzer muß den Hotelnamen, in
diesem Falle also seinen eigenen, mit verkaufen und darf sich
seiner bei künftigen Unternehmungen nicht mehr bedienen.
Denn ein vorsichtiger Käufer wird diese Bedingung beim Kauf
stellen. Von den Katastrophen, die dann eintreten können, wenn
das Haus Hotel Müller, Hotel Lehmann oder Hotel Schulze
heißt, sei erst gar nicht die Rede.
Zu dem Thema des persönlichen Hotelnamens wurde mir ein
originelles Geschichtchen aus Norwegen bekannt. Schauplatz:
der Handlung ist die Stadt Skagen. Dort wohnte seit zehn Jahren
ein norwegischer Maler namens Ludwig Karsten. Er hatte vor
Gericht Klage erhoben, weil ein Hotelbesitzer sein Haus
„Karstens Hotel‘ genannt hat. Der beklagte Hotelier behaup-
tete, daß er sein Haus nach einem früheren Besitzer, Karsten
Petersen, genannt habe. Der Kläger wandte dagegen ein, diese
Bezeichnung erwecke bei den Leuten den Glauben, daß das
Hotel dem Maler Karsten gehöre, dem berühmten Karsten,
dessen Bilder in Norwegen gesucht seien und der es sich nicht
bieten lassen wolle, daß man seinen Namen feil und ihn selbst.
für einen Hotelwirt halte. Dieses amüsante Geschichtchen 1äßt.
erkennen, welche Verwicklungen unter Umständen durch einen
persönlichen Hotelnamen entstehen können.
Ebensowenig wie Weine sollte man Hotels beim Besitz-
wechsel usw. umtaufen. Dieser Fehler wird, leider, viel häufiger
gemacht, als es im Interesse des Käufers gut ist. Zu einer
Umtaufe schreiten die großen Praktiker des Hotelgewerbes nur
in dringenden Fällen; zum Beispiel, wenn sie ein herunter-
gewirtschaftetes Geschäft gekauft haben. Dann ist es allerdings