Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

138 Neunzehntes Buch. Viertes Kapitel. 
Bodmer und Breitinger ihre „Discurse der Mahlern“, kleine 
Sittengemälde vielfach aktuellen Inhalts, heraus. Dauerhafter 
als dies bald wieder eingehende Unternehmen erwies sich eine 
andere Wochenschrift, die seit 1724 an der zweiten vom all⸗ 
gemeinen Verfall des deutschen Bürgertums verschont gebliebenen 
Stelle erschien, in Hamburg!. Es war der „Patriot“, der 
wichtige Fragen „der Rechts- und Sittenlehre, der Staats— 
und Handlungskunst“ besprechen wollte; er erreichte schon im 
ersten Jahre einen Absatz von 5000 Exemplaren. Und nun 
folgte den peripherisch gelegenen Großstädten das städtische 
Zentrum des damals emporblühenden geistigen Lebens nach, 
Leipzig. Hier gab Gottsched seit 1725 zunächst für das 
Frauenzimmer ein Blatt heraus, „Die vernünftigen Tadle— 
rinnen“, dann folgte, mit allgemeineren Tendenzen, 1728 sein 
Biedermann“. Und von nun ab schwoll der Erguß der 
Wochenschriften fast ins Unglaubliche an; bald platt, bald 
witzig, im ganzen recht spießbürgerlich, wurden in ihnen die 
Probleme der Aufklärung, namentlich der aufklärerischen Er— 
ziehung, behandelt; ein im Jahre 1761 veröffentlichtes Ver— 
zeichnis der bis dahin erschienenen Zeitschriften umfaßt mit 
Einschluß der Übersetzungen nicht weniger als 182 Nummern?. 
Inzwischen aber war der Aufklärung noch eine andere 
Form gegenseitiger Mitteilung dienstbar gemacht worden, die 
für das 18. Jahrhundert besonders bezeichnend ist: die geheime 
Gesellschaft. In Zeiten werdender Mündigkeit kräftiger Gesell— 
schaftsmassen, die noch nicht zum politischen Leben herangezogen 
Zu Hamburg vgl. a. a. O. III, J. 
Neben den Zeitschriften kommen auch schon die Leihbibliotheken in 
Betracht, deren Anfänge bis etwa 1700 zurückreichen. Voll entwickelt ist 
indes dieses Mittel der Popularisierung doch wohl erst in der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts; wenigstens werden Leihbibliotheken selbst 
für Leipzig in dieser Zeit noch als etwas Besonderes beschrieben (s. Galantes 
beipzig 1768], S. 270.. Den Inhalt bildeten (nach der Schilderung 
a. a. O.) Bücher über „moralische, satyrische, politische, historische, aben⸗ 
teuerliche Schriften, Heldengedichte, Liebesbegebenheiten u. dgl.“. „Einige, 
dahin ich alle verliebte Mährchen und Liebesgeschichten rechne, sind meisten— 
teils mit Vorsicht zu lesen.“
	        
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