Object: Zur wirtschaftlichen Förderung des Handwerks

von dem richtigen Gedanken aus, daß das Auf 
suchen der nächsten Spargelegenheit, wenn vielleicht 
auch nur ein kleiner weg bis zur nächsten Zahl 
stelle zu machen ist, immerhin einen Zeitverlust 
bedeutet und umständlich wirken kann. Ferner 
gehört zum Sparen eine gewisse Willensstärke, die 
wohl nicht bei allen vorhanden sein dürfte; die 
sich allenthalben aufdrängenden Gelegenheiten zum 
leichten Geldausgeben erschweren ja so schon das 
Zurücklegen des Geldes, wenn aber jemand jeden 
Monat deiflBesuch des Lrhebers (Boten) der Spar- 
gesellschaft zu erwarten hat, so wird, da überdies 
der Betrag verhältnismäßig klein ist, jeder das 
Geld bereit halten. 
Bei der Gründung von Spargenossenschaften 
kann das vom Abgeordneten Lrüger entworfene 
Musterstatut zur Benutzung empfohlen werden. Es 
ist so trefflich ausgearbeitet, daß es wohl für die 
meisten Grte, höchstens mit geringen Abweichungen, 
brauchbar ist. 
Die Förberung Des Senossen- 
sdiaffstpesens. 
Als eines der wichtigsten Mittel zur wirtschaftlichen 
Förderung des Handwerks sieht die Kammer die 
Genossenschaften an. Deshalb widmet sie 
sich mit Nachdruck ihrer pflege. 
Die Handwerkskammer fand, als sie im Jahre 
1900 ihre Tätigkeit aufnahm, in ihrem Bezirk nur 
wenige Genossenschaften vor. Die wenigen vor 
handenen Genossenschaften waren fast ausschließ, 
lich in den größeren Städten, wogegen die Klein- 
städte und die ländlichen Gemeinden des Bezirks 
fast gar keine aufwiesen. Allerdings hatten sich 
viele Handwerker den Naiffeisenschen Kreditge 
nossenschaften angeschlossen, die zwar hauptsächlich 
der Landwirtschaft dienen, aber auch dem Hand 
werk eine gute Kreditvermittlung bieten. Ls galt 
also für die Handwerkskammer zunächst für den 
Genossenschaftsgedanken Anhänger zu werben. 
Zum Ausgang der Bestrebungen zur 
Bildung von Genossenschaften benutzte die Kammer 
vor allem die Innungen. Seit Beginn unserer Tätig- 
keit haben wir in den Innungen und Handwerker, 
vereinen durch im Genossenschaftswesen erfahrene 
Kammermitglieder und durch die Beamten der 
Kammer Vorträge über das Genossenschaftswesen 
halten lassen, in denen auf die wirtschaftliche Be 
deutung der Genossenschaften für den Handwerker 
stand, auf die Licht- und Schattenseiten, die gesetz 
lichen Bestimmungen, auf das Wesen und die 
Verfassung der Genossenschaften, aus die von 
Genossenschaften bereits erzielten Erfolge usw. 
hingewiesen wurde. In der den Vorträgen folgen 
den Aussprache wurden dann noch die Einzelheiten 
erörtert. Fast regelmäßig fanden sich dabei Hand 
werker, die auch ihrerseits den genossenschaftlichen 
Fragen Interesse entgegenbrachten. So gewannen 
wir Personen, mit denen wir später in enger 
Fühlung bleiben konnten, wir versorgen sie mit 
den nötigen Unterlagen, Mustersatzungen, Satzungen 
von bestehenden Genossenschaften und anderen 
geeigneten Drucksachen und erreichen so, daß unsere 
Anregungen wenigstens erörtert und die Vorbe 
dingungen zur Gründung geprüft werden. 
Der Erfolg dieser Bemühungen ist nicht aus 
geblieben; schon in den ersten Jahren vermehrte 
sich dank der Arbeit der Handwerkskammer die 
Zahl der Genossenschaften zusehends. 
Anregend versuchten wir auch durch das von der 
Kammer herausgegebene Korrespondenzblatt 
zu wirken. Dieses bringt regelmäßig belehrende 
und aufklärende Artikel über genossenschaftliche 
Fragen aus der Feder Sachverständiger. Mit dem 
Ausbau des Korrespondenzblattes haben wir 1904 
einen besonderen Abschnitt „Genossenschaftswesen" 
eingerichtet, der vornehmlich über den jeweiligen 
Stand, über Neugründungen und dergleichen be 
richtet. Besonders werden die Geschäftsabschlüsse 
veröffentlicht und besprochen. Das wirkt anregend 
und spornt zu Neugründungen von Genossen 
schaften an. 
Seit dem 1. März 1911 ist dem Korrespondenz 
blatt eine neue Beilage angegliedert: Mitteilungen 
der Rheinischen Genossenschaft zur wirtschaft 
lichen Förderung von Handwerk und Gewerbe. Die 
Mitteilungen tragen viel dazu bei, die Handwerker 
zur Bildung von Genossenschaften anzuregen. Sie 
wollen zunächst nur Auskunft geben über das, 
was die Genossenschaft zur Hebung und Förderung 
des Rheinischen Handwerks versucht, anstrebt, er 
reicht und nicht erreicht; sie sollen aber auch be- 
raten bei Beschaffung von Arbeitsbehelfen und 
Betriebsmaterialien, bei Beteiligung an korpora 
tiven Arbeitsübernahmen, bei Beschickung von Hand 
werksausstellungen. 
37
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.