Einleitung
XXV
zu begreifen sind, noch aus der sogenannten allgemeinen Entwicklung des
menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensver:
hältnissen wurzeln, deren Gesamtheit Hegel .., unter dem Namen ‚bürgerliche
Gesellschaft‘ zusammenfaßt, daß aber die Anatomie der bürgerlichen
Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei.‘“1)
Dieses Ergebnis ist jedoch nicht nur die Frucht der „kritischen Revision
der Hegelschen Rechtsphilosophie‘, sondern auch jener umfassenden
historisch-politischen Studien, die Marx parallel mit seiner Hegelkritik
ungefähr zur selben Zeit betrieb und von denen fünf umfangreiche Exzerpthefte
zeugen, die — laut Überschrift — in Kreuznach im Juli und
August 1843 entstanden sind. Wie wir in der Einleitung zum ersten Halbbande?2)
ausgeführt haben, begann Marx die Kritik Hegels sicherlich
sehr bald, nachdem er die Redaktion der Rheinischen Zeitung niedergelegt
hatte. Wir haben in jener Einleitung auch festgestellt, daß die letzten
Teile des Manuskripts zur Kritik des Hegelschen Staatsrechts mit der
Entstehung der Kreuznacher Hefte zeitlich zusammenfallen. Dies und der
Umstand, daß dieses Manuskript gegen den Schluß schon viele historische
Illustrationen, und Beweisführungen enthält, zeigt, daß die Kreuznacher
historisch-politischen Studien durch die Kritik des Hegelschen
Staatsrechts mit veranlaßt worden sind: indem Marx sich nicht auf die
immanente Kritik Hegels, nicht auf den Nachweis der inneren Widersprüche
des Hegelschen Systems beschränkte, wandte er sich mehr und
mehr der Analyse der konkreten historischen Entwicklung und der konkreten
politischen Verhältnisse zu. Die logisch-kritische Analyse der
Hegelschen Rechtsphilosophie verwandelt sich bei diesen historisch-politischen
Studien in die historisch-kritische Analyse der bürgerlichen Gesellschaft
und des bürgerlichen Staates. Darin liegt also die Bedeutung
der Kreuznacher Exzerpthefte: daß sie ein Stück des Weges beleuchten.
der zur Begründung der materialistischen Geschichtsauffassung führt.
Die fünf Hefte mit ihren 255 beschriebenen Seiten enthalten Exzerpte
aus 24 Werken.®) Der Zusammenhang ist auch äußerlich dadurch gekenn:
zeichnet, daß die Hefte mit I—V numeriert sind. Außerdem trägt das
I. Heft ebenso wie das IIL die Überschrift „„Historisch-politische Noti-1)
Ebenda
2) 1/1, LXXI—LXXV
3) Die Art des Exzerpierens ist nicht überall dieselbe. Aus sieben Werken sind
nur wenige Stellen notiert (Daru, Lacretelle, Bailleul, Brougham, zwei Schriften von
Chateaubriand, Ranke), aus den übrigen siebzehn ausführlichere Exzerpte angefertigt.
Zumeist hielt sich Marx an den Wortlaut des Originals, auch da, wo er
ganze Sätze und Absätze nur auszugsweise wiedergab. Zweimal, bei Heinrichs Geschichte
von Frankreich und bei Pfisters Geschichte der Teutschen, machte er einen
stichwortartigen, eng an den Originaltext angelehnten chronologischen Auszug; in
die chronologische Übersicht zu dem Werke Heinrichs ist eine Anzahl von längeren
Wwörtlichen Zitaten eingestreut.