Full text: Finanzen und Steuern im In- und Ausland

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So ist die Ertragsteigerung im Rechnungsjahr 1926/27 auf die damalige konjunktur- 
bedingte Aufnahmefähigkeit des deutschen Kapitalmarktes und auf die Aufnahmewillig- 
keit ausländischer Kapitalmärkte zurückzuführen. Mit dem stärker einsetzenden, sich 
um die Jahreswende 1927/28 dem Maximum nähernden allgemeinen Konjunktur- 
aufschwung tritt eine konjunkturelle Verknappung des inländischen Kapitalangebotes bei 
zunächst gleichbleibenden ausländischen Angebot ein, die sich entsprechend in der Ent- 
wicklung der Wertpapiersteuer auswirkt. Nicht so unmittelbar wie die Wertpapiersteuer 
ist die Gesellschaftsteuer mit den Veränderungen des Kapitalmarktes verbunden, denn 
ihr unterliegen nicht nur die Emissionen von Aktien, Anteilen, Kuxen usw., durch die 
eine Gesellschaft sich Mittel verschafft auf dem Kapitalmarkt, sondern auch jene, die 
für Fusionszwecke oder als Entgelt für Sacheinlagen erfolgen. Zweifellos ist die Gesell- 
schaftsteuer durch die Konzentrationsbewegung der Industrien in den letzten Jahren 
begünstigt worden. 
In Abhängigkeit von der Entwicklung des Effektenmarktes steht das Aufkommen 
der Börsenumsatzsteuer. In dem Ertrag des Rechnungsjahres 1926/27 spiegelt 
Sich die damalige Effektenhausse wider. Dagegen wird das Aufkommen der folgenden 
Jahre von der rückläufigen Bewegung der Effektenumsätze ungünstig beeinfiußt. Schlüsse 
auf die Entwicklung der Effektenumsätze aus dem Aufkommen an Börsenumsatzsteuer 
darf man allerdings nur mit Vorbehalt ziehen, da der Steuertarif je nach der Art 
der gehandelten Wertpapiere und nach der wirtschaftlichen Stellung von Käufer und 
Verkäufer verschiedene Sätze vorsieht, und außerdem die Steuersätze sich wiederholt 
geändert haben. 
Die zunehmende Beanspruchung des Wechselkredits in Zeiten des konjunkturellen 
Aufschwunges und Hochstandes bringt es mit sich, daß die Wechselsteuer beson- 
ders in derartigen Phasen der Wirtschaftsentwicklung eine günstige Ertragsgestaltung 
aufweist. Der hohe Ertrag des Rechnungsjahres 1925/26 ist allerdings zum Teil aus 
dem damaligen Steuersatz von 2 vT zu erklären, der erst am 1. September auf 1 vT 
ermäßigt wurde. Aber selbst wenn man dies berücksichtigt, bleibt der Ertrag in diesem 
Jahr höher als im folgenden, da die Hochkonjunktur von Februar bis September 1925 
ne starke Anspannung des kurzfristigen Wechselkredits mit sich brachte. Die an- 
Schließende Depression mit ihrem geringeren Kreditbedarf führt entsprechend zu einer 
Senkung des Wechselsteuerertrages im Rechnungsjahre 1926/27. Dagegen begünstigt die 
im Zusammenhang mit dem neu einsetzenden Konjunkturaufschwung zunehmende 
Finanzierung mit Hilfe des Wechselkredits den Steuerertrag der beiden folgenden 
Rechnungsjahre. 
Da aus dem Steuerertrag annähernd der Umfang der monatlich neu gezogenen 
Wechsel errechnet werden kann, ist die Entwicklung der Wechselsteuer von sympto- 
Matischer Bedeutung für die allgemeine Konjunkturbeobachtung geworden. 
Ebenfalls konjunkturbeeinflußt ist der Ertrag der Grunderwerbsteuer. Wie 
Aus der Übersicht zu entnehmen ist, sinkt das Aufkommen allerdings bereits im Rech- 
engsjahr 1928/29 ab, während die Wechselsteuer in dieser Zeit ihre Aufwärtsbewegung 
a Stat, Diese unterschiedliche Entwicklung erklärt sich daraus, daß die Dynamik 
ste Kapitalmarktes, des Marktes des langfristigen Leihkapitals, die Dynamik des Grund- 
auge Smarktes bestimmt, das Angebot an langfristigem Kapital sich aber im Konjunktur- 
ve Schwung verknappt, so daß mehr und mehr auf den kurzfristigen Kredit zurück- 
Y en wird, zu dem auch der Wechselkredit rechnet. Infolgedessen sinken mit der 
m Tengung des Kapitalmarktes im Rechnungsjahr 1928/29 die Umsätze am Grundstücks- 
ärkt und damit der Steuerertrag, während die Wechselsteuer noch steigt. ; 
Gegensatz hierzu hat der Wiederaufbau des durch Krieg und Inflation zerstörten 
:  Mcherungsgeschäftes zu einer Jahr für Jahr steigenden Zunahme der Versic he- 
bar. 8ssteuer geführt, so daß sich stärkere Konjunktureinflüsse bisher nicht bemerk- 
Depp konnten. Ebenso weist die Entwicklung der Reichseinnahmen aus der 
a teriesteuer seit 1925/26 eine anhaltende leichte Aufwärtsbewegung auf, wäh- 
Ni die Rennwettsteuer sich unter Schwankungen auf einem gleichbleibenden 
1veau gehalten hat.
	        
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