Vergesellschaftung und Gesellschaft, 277
valenten‘“ Richtlinien sich das Ander-Verhalten darstellen wird. Indes
können wir der Einfachheit halber bloß von einer „Richtlinie des Beanspruchten‘“
sprechen, mit welcher Rede aber stets gemeint ist, daß
der „Handlungs-Anspruch-Erheber‘“ ein „Ander-Verhalten‘“ als „Fall“
irgend einer „Richtlinie“ aus einer besonderen „Gruppe äquivalenter
Richtlinien‘ veranlassen will. Erhebt aber jemand einen „Unterlassungs-Anspruch‘,
so will er dem Anderen gar kein Verhalten als „Fall‘“ besonderer
Richtlinie zugehörig machen, da ‚‚Unterlassen‘‘ kein ‚tätiges
Wirken“ ist, er will vielmehr Etwas bewirken, durch welches ein
Ander-Verhalten als „Fall‘‘ besonderer Richtlinie ausgeschlossen ist.
Diese in einem ‚„Unterlassungs-Anspruch‘“ gemeinte Richtlinie nennen
wir also nicht die „Richtlinie des Beanspruchten‘‘, sondern die „,Wider-Richtlinie
des Beanspruchten‘, mit welcher Rede wir die Richtlinie
jenes Verhaltens meinen, dessen Unterlassung beansprucht wird.
Sagt man nun, daß jemand für einen Anderen eine Richtlinie
„setzt‘‘, ‚schafft‘, ‚„stiftet‘‘ usw., so meint man offenbar nichts anderes,
als daß er einen besonderen Anspruch erhebt, mit welchem
er eine besondere Richtung erfolgreichen tätigen Wirkens entweder
zur „Richtlinie des Gewollten“ oder zur „Richtlinie des Wider-Gewollten“
des Anspruchadressaten machen will. Als „Richtlinie des
Gewollten“ einer Seele haben wir jene Richtlinie bestimmt, als deren
„Fall“ von jener Seele Gewolltes verwirklicht werden kann, während
die „Richtlinie des Wider-Gewollten“ einer Seele jene Richtlinie
ist, als deren „Fall“ von jener Seele „Wider-Gewolltes“ verwirklicht
werden kann. Hinsichtlich einer besonderen Seele kann aber
selbstverständlich eine besondere Richtlinie die „Richtlinie des ihr
gegenüber Beanspruchten“ sein, ohne die „Richtlinie ihres
Gewollten“ zu sein, und kann eine besondere Richtlinie die „Wider-Richtlinie
des von ihr Beanspruchten“ sein, ohne die „Richtlinie
ihres Wider-Gewollten“ zu sein. Sagt z. B. A zu B: „Bringen
Sie mir ein Glas Wasser!“, so ist jene Richtung erfolgreichen tätigen
Wirkens, als deren „Fall“ das „Bringen eines Glases Wasser“ verwirklicht
werden kann, hinsichtlich des B die „Richtlinie des ihm gegenüber
Beanspruchten“, die „Richtlinie seines Gewollten“ aber nur dann,
wenn er ein Glas Wasser bringen will. Sagt ferner etwa A zu B:
„Gehen Sie nicht fort!“, so ist jene Richtung erfolgreichen tätigen
Wirkens, als deren „Fall“ das „Fortgehen“ verwirklicht werden kann,
Hinsichtlich des B die „Wider-Richtlinie des ihm gegenüber Beanspruchten“,
die „Richtlinie seines Wider-Gewollten“ aber nur dann, wenn er „Fortgehen“
wider-will. Sprechen wir also hinsichtlich einer besonderen
Seele von der „Richtlinie ihres Gewollten“ bzw. von der „Richtlinie
ihres Wider-Gewollten“, so meinen wir jene Richtlinie, in welcher sich
identische Wirkungsallgemeine finden, welche sich auch als Ziel bzw.