Full text: Allgemeine Gesellschaftslehre

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VII. Kapitel. 
Gesellschafts-Werbers in sittlicher Gesinnung begrün- 
dete Gesellschaft“ vor, stellt hingegen jemand ein Gesuch, welchem 
der Andere stattgibt, so liegt eine „auf Seite des Gesellschafters 
in sittlicher Gesinnung begründete Gesellschaft“ vor. Eine 
Gesellschaft, welche in einem Ansprucherhebungs-Seelenaugenblicke und 
in einem entsprechenden Ansprucherfüllungs - Seelenaugenblicke be- 
gründet ist, kann also niemals eine „beiderseitig in sittlicher Gesinnung 
begründete Gesellschaft“ sein, weil eben ein Ansprucherfüllungs-Seelen- 
augenblick niemals ein „Verhalten-Seelenaugenblick sittlicher Gesin- 
nung“ ist, 
Alle Anträge überhaupt, die nicht „Gesuche‘‘ sind, nennen wir 
auf eigennütziges Verhalten gerichtete Anträge“. Findet 
sich in einem Antrage neben der „Eigen-Wunsch- bzw. -Furcht-Be- 
hauptung“ eine „In Aussicht-Stellung von werbunggemäßem Ander- 
Verhalten abhängig gedachten, durch Eigen-Verhalten bedingten gün- 
stigen Ereignisses“, so nennen wir den Antrag ein „Anbot“ („An- 
gebot‘). Enthält ein Anbot insbesondere eine „Zusicherung‘‘, so liegt 
sin „Entgelt-Anbot‘“ vor. Nicht jedes „Anbot‘ ist aber ein „Ent- 
gelt-Anbot“. Sagt z. B. A zu B: „Reinigen Sie die Wunde meines 
Kindes, ich werde es halten!‘“, so liegt ein „„Hilfe-Anbot‘“, aber kein 
„Entgelt-Anbot‘‘ vor, da A zwar ein durch sein Eigen-Verhalten be- 
dingtes günstiges Ereignis in Aussicht stellt, keineswegs aber in Aus- 
sicht stellt, dem B dessen besonderes, Verhalten — Reinigen der Wunde 
des Kindes — günstig zuzurechnen. Das „Entgelt-Anbot“ bildet 
also insoferne einen Gegensatz zu dem später zu erörternden „Gebote“, 
als jedes solche Anbot die In Aussicht-Stellung eines „Entgeltes‘“, d. h. 
lie „In Aussicht-Stellung eines von werbunggemäßem Ander- 
Verhalten abhängig gedachten, durch zurechnendes Eigen-Verhalten 
ınd Erfahrung der Werbung-Entsprechung bedingten günstigen 
Ereignisses‘‘, hingegen jedes „Gebot“ die In Aussicht-Stellung einer 
„Vergeltung“, d. h. die „In Aussicht-Stellung eines von werbung- 
widrigem Ander-Verhalten abhängig gedachten, durch zurechnendes 
Eigen-Verhalten und Erfahrung der Werbung-Widrigkeit be- 
dingten ungünstigen Ereignisses‘ enthält, Findet sich insbesondere 
;n einem Anbote eine „Versprechung‘‘, so sprechen wir von einem 
„Anbote mit Versprechung‘“. Ist ferner ein ‚„„Anbot mit Ver- 
sprechung‘‘ darauf gerichtet, daß auch der Adressat eine Versprechung 
leiste, so liegt ein „Vertrag-Anbot‘“ („Anbot zum Abschlusse eines 
Vertrages‘‘) vor. Da aber jedes „Anbot‘ nur ein besonderer „An- 
trag‘ ist, kann auch von einem „Vertrag-Antrage‘“ gesprochen werden. 
Als „Vertrag“ bezeichnen wir jede Beziehung zweier Seelen, welche 
dadurch begründet ist, daß der einen Seele ein „Vertrag-Anbot- 
Seelenaugenblick“, der anderen Seele ein „Vertrag-Anbot-
	        
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