Object: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

wirken ja vor allem die Stifter der großen Weltreligionen 
schlechthin als gottgesandt, d. h. in unserem Sinne gesehen, 
völlig zeit-unbedingt, Und gerade ihr Beispiel ist 
der wohl schlagendste Beweis dafür. daß Ideen und Männer. 
die ganz erfüllt sind von diesen Ideen und ihnen ihr 
Leben weihen, die stärksten weltbewegenden Kräfte der 
Geschichte sind.‘ Gibt es eine umwälzendere Lehre als 
diejenige Christi. die nicht nur buchstäblich das 
römische Weltreich aus den Angeln hob und zur Grund- 
lage der gesamten abendländischen Kulturentwicklung 
wurde, sondern auch von uns selber die große 
innere Umkehr, die radikale Sinnesänderung ver- 
langt? 
Sind überhaupt religiöse Ideen irgendwie zu „er- 
klären“ auf kollektivistischer Grundlage? 
Haben sie etwas zu tun mit dem ökonomischen Unterbau 
der Gesellschaft? Ist nicht durch die religiöse Lehre und 
Haltung etwa des abgewandelten Calvinismus das moderne 
und imperialistische England entstanden? War es nicht die 
übergewaltige Persönlichkeit Cromwells,. die unaus- 
löschliche Spuren im Wesen des Angelsachsentums ge- 
lassen hat? Ist das moderne Deutschland zu denken ohne 
Luther und die Nachwirkungen des Luthertums? 
Dieselbe geheimnisvoll zeugende Kraft der Persönlich- 
keit des großen Menschen tritt fast erschütternd zutage 
bei den Staatengründern der Geschichte. Am groß- 
artigsten vielleicht bei jenen Königen., die 
aus dem Sande ihrer Mark die Großmacht 
Preußen schufen. Gerade an diesem Beispiel ist zu 
erkennen. wie dieser Prozeß der Staatswerdung durch den 
einzelnen. Mann verläuft; Friedrich Wilhelm 1, und Friedrich 
der Große sind zunächst die einzigen Träger des 
„Preußentums“, des Staatsgedankens: in unendlich 
mühevoller Kleinarbeit gelingt es ihnen, das lodernde Feuer 
ihrer eigenen stolzen Seele in einer Schar von Mitarbei- 
tern und Dienern zu entzünden; und dann kommt es in 
den entsetzlichen sieben Jahren dazu, daß Millionen von 
„Untertanen“ daß Pommern, Märker, Ostpreußen, 
Schlesier und Westfalen, in unbändigem Stolz auf den 
königlichen Helden in ihrer Mitte. sich als „Preußen“ 
bezeichnen und daß der Staatsgedanke schließlich trium- 
phiert. Von den großen Staatsmännern und großen Heer- 
führern ging immer, soweit‘ Menschengedenken reicht, eine 
geheimnisvolle, bezwingende .und gewinnende Macht des 
Eros aus, die aus zerstreuten Stücken eines Volkes oder 
Landes oder Heeres eine lebendige Einheit schuf. ; 
Wer könnte nun verkennen daß es nicht zuletzt 
Eines ist, das die Großen zum Führer macht und in 
ihrer Stellung erhält: 
der Mut zur Verantwortung, zum ganz persönlichen 
Einstehen für ihr Werk und für die Gesamtheit! 
Und wer könnte verkennen, daß im Zeitalter der radi- 
kalen Demokratie gerade diese persönliche Verant- 
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