Full text : Allgemeine Gesellschaftslehre

Die Besonderheiten der Vergesellschaftungs-Werbungs-Seelenaugenblicke usw. 447

nicht bloß durch „Gebote‘, sondern auch durch „Bitten‘“, also
äberhaupt durch „Ansprüche“ begründet werden können, welche Klarheit
sich freilich erst mit einer nüchternen, von metaphysischen Dichtungen
freien Bestimmung des Gegebenen ‚Pflicht‘ ergibt.
{st nun „Herrschaft“ überhaupt jede ‚„Ansprucherfüllungs-Gesellschaft‘,
 so müssen wir wieder innerhalb der ‚Herrschaft‘ die „,Willfährigkeits-Herrschaft‘“
 der „Botmäßigkeits-Herrschaft“,
and innerhalb der „Botmäßigkeits-Herrschaft‘“ die „Gehorsamkeits-Herrschaft“
 der „Fügsamkeits-Herrschaft‘“ gegenüber stellen.
Statt der Worte „Willfährigkeits-Herrschaft‘‘; Botmäßigkeits-Herrschaft“‘‘,
„Gehorsamkeits-Herrschaft‘“ und „Fügsamkeits-Herrschaft‘‘ können wir
aber, wenn wir statt auf die Besonderheiten der Ansprucherfüllungen
auf die Besonderheiten der Ansprüche Bezug nehmen, die Worte
„Bitte-Herrschaft“, „Gebot-Herrschaft“, „Befehl-Herrschaft“
und „Forderungs-Herrschaft‘“ gebrauchen. Innerhalb jeder „Herrschaft“
 bezeichnen wir den „Gesellschaft-Werber“ als „Herrscher“,
den „Gesellschafter‘‘ als „Beherrschten‘“. Keineswegs ist also jenand
 als „Ansprucherheber“, als „Bittender“ oder als „Gebieter“, schon
„Herrscher“, vielmehr ist nur der erfolgreich Bittende oder Gebietende
ein „Herrscher“. Das Wort „herrschen“ bezeichnet somit nichts anderes
als „einen geltenden Anspruch erheben“, ist somit ein Wirkensbeziehungs-Wort.

Das Wort „Herrschaft‘ ist freilich ein Wort, das gewöhnlich in
sehr unklarem und deshalb schwankendem Sinne gebraucht wird. Zunächst
 wird das Gegebene ‚Herrschaft‘ meist mit den Gegebenen
„Gewalt“ und „Macht“, insbesondere „Geltungs-Macht‘“ verwechselt.
Die Gegebenen „Gewalt‘““ und „Herrschaft‘““ schließen einander aber,
wie sich aus früheren Darlegungen ergibt, geradezu aus, da ‚‚Gewalt‘“
stets besondere Wirkung in zweifacher, von uns bereits dargelegter Erfüllungs-Beziehung,
 niemals aber ‚Vergesellschaftung‘““ oder „Gesellschaft‘
 darstellt. „Macht“ hingegen ist jede Lage, welche die Gesamtheit
 jener Allgemeinen enthält, die als grundlegende Bedingungen für
jemandes besondere Leistung in Betracht kommen, ist also auch niemals
die besondere Beziehung „Gesellschaft“. Den Gesellschaftswissenschaften
wären viele Irrtümer und Unklarheiten erspart geblieben, wenn sie die
drei verschiedenen Gegebenen „Gewalt‘‘, ‚„„Macht‘“ und „Herrschaft“
Stets strenge auseinander gehalten hätten. Daß aber die Gegebenen
„Gewalt“ und „Macht“ mit dem Gegebenen „Herrschaft‘““ verwechselt
werden, erklärt sich wohl daraus, daß zwar nicht jeder Ansprucherheber,
Wohl aber stets der Gebieter, an welchen man bei dem Worte „Herrschaft“
 gewöhnlich dachte, mit „Gewalt‘“ droht, und daß die Beziehung
„Herrschaft‘“ nur dann zwei Seelen zugehörig wird, wenn die eine der
beiden Seelen die Macht hatte. die andere Seele durch einen Anspruch
            
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