Full text : Allgemeine Gesellschaftslehre

Grundwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft. 51

lisches oder Beziehung als Körper oder Körperliches zu bestimmen,
das Wort „Fsychologismus“ den Versuch, Körper, Körperliches oder
Beziehung als Seele oder Seelisches zu bestimmen, das Wort „Relativismus“
 den Versuch, Wesensallgemeines oder besonderndes Allgemeines
als Beziehung zu bestimmen, und das Wort „Absolutismus“ den Versuch,
 Beziehungsallgemeines als Wesensallgemeines oder besonderndes
Allgemeines zu bestimmen.
Ist nun „Gesellschaft“ eine Beziehung zwischen Einzelwesen, so
erhebt sich lediglich die Frage, ob diese Beziehung eine „Naturbeziehung“
oder eine „Geistesbeziehung“ oder eine „Natur-Geist-Beziehung“ ist,
eine Frage, welche eben mit der Lösung der Aufgabe des Unternehmens
 einer „Allgemeinen Gesellschaftswissenschaft“ ihre Beantwortung
 findet. Indes kann bereits jetzt hervorgehoben werden, daß die
gebräuchliche Rede, daß „Menschen“ „in Gesellschaft“ stehen, die Quelle
großer Verwirrung abgibt. Vom „Menschen“ kann nämlich
eigentlich gar nicht gesagt werden, daß er Bezogener
einer Beziehung ist, da „Mensch“ nicht ein Einzelnes, nämlich
nicht ein Einzelwesen ist, vielmehr eine stetige Wirkenseinheit von
zwei Einzelwesen, nämlich von Seele und Leib. Daß der „Mensch“
nicht Bezogener einer Beziehung ist, lehrt uns die Betrachtung‘ jedes
Falles, da wir von solcher Beziehung sprechen. Sagen wir z, B,
„dieser Mensch ist größer als der andere Mensch“, so meinen wir selbstverständlich
 lediglich eine Beziehung zweier Leiber, während die mit
jenen Leibern zusammengehörigen Seelen‘ nicht Bezogene jener Beziehung‘
 sind — denn niemand wird doch im Ernste behaupten wollen,
daß eine Seele größer sei als eine andere Seele. Sagen wir aber z. B.,
„dieser Mensch ist klüger als der andere Mensch“, so meinen wir selbstverständlich
 lediglich eine Beziehung zweier Seelen, während die mit
jenen Seelen zusammengehörigen Leiber nicht Bezogene jener Beziehung
 sind — denn wieder wird doch niemand im Ernste behaupten,
daß ein Leib klüger sei als ein anderer Leib. Daß es nun menschliche
„Leiber“ sind, die sich „in Gesellschaft“ finden, wird wohl kaum jemand
behaupten wollen, da sonst auch etwa „Steine“ sich „in Gesellschaft“
finden könnten. So zeigt uns schon das vorwissenschaftliche Wissen um
„Gesellschaft“, daß wir in solchem Wissen stets zumindest auch um
„Seele“ und „Seelisches“ wissen, die Versuche also, „Gesellschaft“ als
„Äußere Tatsache“, als „objektives Verhalten“, kurz als „Körperliches
zu bestimmen, einen unhaltbaren Naturalismus darstellen.
            
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