7
j
Giebeln und Türmen, und bald fehlt es auch nicht an
Versuchen zur Erforschung- der Natur. Allerdings werden
sie beherrscht von der damals 9chon tausendjährigen
Alexandrinischen Wahnvorstellung des Steins der
Weisen, die vom 13. bis über das 16. Jahrhundert hinaus
auch unser Vaterland in alchemistische Träume bannt. Alchemie
Dieser Zeitströmung haben sich auch die Hohenzollern
nicht entzogen. Der älteste Sohn Friedrichs, Markgraf
Johann, führt den Beinamen des Alchemisten; er ex
perimentiert jahrelang auf der Plassenburg in Franken,
aber mit demselben Misserfolg wie die späteren Fürsten,
die sich der Kunst der Metallverwandlung widmen. Auch
die grosse Zeit der Buchdruckerkunst, der Weltumsege
lung und der Reformation ändert nichts an dem über
kommenen Aberglauben. Kurfürst Joachim I., der
Nachfolger Johann Ciceros, ist trotz seiner im
Jahre 1506 erfolgten Gründung der märkischen Uni
versität Frankfurt noch umgeben von Alchemisten und
Nekromanten. Als sein Hofastrolog aus der Gruppierung
der Sterne den Untergang der Städte Berlin und Kölln
auf den 25. Juli 1525 berechnet, zieht er mit dem
Hofstaat auf den Tempelhöf er Berg, um das seltene
Schauspiel zu beobachten.
Sein Enkel Johann Georg, ein eifriger Lutheraner,
beruft, in dem Bestreben, den Staatshaushalt der Mark
zu verbessern, den Schweizer Alchemisten Leonhard
Thurneisser zu seinem Leibarzt und errichtet ihm
in der ehemaligen Franziskanerabtei, dem jetzigen Sitz
des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, ein
wohlausgestattetes Laboratorium. Aber obwohl die me
dizinische Privatpraxis, in der die berühmte Harnprobe
eine bedeutende Rolle spielt, dem Wunderdoktor mehr
Geld einbringt als seine Goldmacherkunst dem Staate,
t