fullscreen: Neuere Zeit (Abt. 2)

226 SZwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
Kunst: denn alles schien ihnen lehrbar. In Wahrheit waren 
sie mit ihrer Kunst zu Ende. 
In dem Verlaufe der künstlerischen Entwicklung seit dem 
16. Jahrhundert aber ist der tiefe Fluch der Renaissance nicht zu 
berkennen. Indem man eine fremde Kunst annahm und als 
ein ausschließliches Ideal nachzuahmen bestrebt war, blieb nichts 
übrig, als in der Theorie schließlich die Lehrbarkeit der Kunst 
zuzugeben. Trat aber diese Folge im 18. Jahrhundert so 
ganz klipp und klar ein, so war das zugleich ein Ergebnis des 
rationalen Zuges der Zeit, der in der individualistischen Kon— 
ttruktion der Persönlichkeit seit dem 16. Jahrhundert aufs 
tiefste begründet war. 
Gegenüber diesem vollen Bankerott des äußeren künstleris chen 
Apparates der Renaissance, gegenüber dem Verfall in Akademiker— 
und Virtuosentum auf schließlich allen Gebieten der bildenden 
Kunst blieb aber schließlich doch noch eine große Errungenschaft 
des Zeitalters unverbrüchlich bestehen: die Errungenschaft der 
künstlerischen Bewältigung des Lichts, soweit es nicht grade 
das freiflutende des Tages war, auf allen Gebieten, wo diese Be— 
wältigung möglich erschien, auf dem der Architektur nicht minder 
wie auf dem der Malerei und selbst der Plastik. Sie ist das 
eigentlich dauernde, weil selbsterstrittene, weil entwicklungs⸗ 
geschichtliche Ergebnis des Zeitalters; auf ihm haben die späteren 
Geschlechter weitergebaut.
	        
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