Object: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

86 Die Sabotage der Reparationszahlung durch den Mechanismus der Weltwirtschaft, 
rentieren, verschleudert. Das ist ein Schlag, der nicht so sehr Deutschland 
als die ganze Welt trifft, denn die Sachlieferungen entstehen ja nicht aus dem 
Nichts, sondern die ganze Weltwirtschaft hilft mit, daß die Rohstoffe und Dienst- 
jeistungen, die Ernährung und Kleidung der deutschen Arbeiter, welche dahinter- 
stehen, zur Stelle gebracht werden. Wenn solcher Verbrauch der Güter der Welt 
nur dazu benutzt wird, damit daraus in Frankreich wirtschaftlich sinnlose oder 
wirtschaftlich verfrühte Gebilde entstehen, so ist das Kapitalfehlleitung, mit nackten 
Worten Produzierung von Ladenhütern, von Non-valeurs, worunter die 
ganze Welt einschließlich der Neutralen zu leiden hat. Da es für uns auch bei der 
Erstellung von Non-valeurs Sachlieferungskonjunktur mit all ihren wohltätigen Fol- 
gen bleibt, so werden wir kaum mehr geschädigt als die Neutralen! 
Da der Dawesplan unter dem Gesichtspunkt der Wiederherstellung aufgestellt 
ist, so müßte sich eine Handhabe finden lassen, um solche Sachlieferungen zu 
verweigern. Hier liegt zweifellos ein wichtiger Punkt, an dem eine deutsche Repa- 
rations„„politik‘“ einzusetzen hätte, worauf auch Eckert!) hinweist, der zeigt 
wie als „Aberwitz im Kreislauf der kapitalistischen Wirtschaft“ ein Widerspruch 
zwischen dem Willen der Reparationsgläubiger, möglichst große Tribute zu erhal- 
ten, und ihrer Abneigung, die hinter den Tributen stehenden Güter auch wirklich 
zu empfangen, besteht. „Unsere Politik und Wirtschaft werden aber gut tun, auf 
dieses Paradoxon nicht zu sehr zu bauen.“ 
Mit Rücksicht auf die große Gefahr, daß die deutschen Sachlieferungen von 
Frankreich und Belgien mißbraucht werden, um weltwirtschaftliche Nonvaleurs zu 
erstellen, darf der inflationistische Charakter, der auch den Sachlieferungen 
anhaftet, nochmals unterstrichen werden, wobei sich zeigt, daß, je größer 
hier die Unwirtschaftlichkeit der Kapitaldisposition ist, sie 
sich um so stärker an den schlecht beratenen Disponenten rächt: 
Da die französische Regierung — für die belgische usw, gilt dasselbe — ihren Etat- 
bedarf sich nicht durch den Zehnten aus dem französischen Wirtschaftskreislauf 
zur Verfügung stellen 1äßt, sondern die in Frage kommenden Güter und Dienst- 
leistungen verbraucht und dann aus dem Erlös der Sachlieferungen bezahlt, so 
läuft die nicht gezehntete Kaufkraft der französischen Untertanen leer und gehf 
nochmals, also zusätzlich kaufend zu Markt. Die präsumptiven Sachlieferungs- 
ampfänger verfügen vor der Transaktion über entsprechende französische Güter, 
antweder direkt durch Ansammlung eigener Mittel oder indirekt durch Bank- 
zredite; die Regierung verfügt über die von Deutschland hereinkommenden Güter 
aus Sachlieferungen; nunmehr tauschen gewissermaßen beide Parteien ihre Güter 
gegeneinander aus, Da damit die Transaktion noch nicht erledigt ist, so sieht man 
jetzt deutlich, daß für die seitens der Untertanen nicht gezahlten Steuern nichts 
zu kaufen übrig bleibt, weil die Regierung ihre mit den Sachlieferungen erstellten 
Dienstleistungen gratis an die Untertanen abgibt. Der Leerlauf der Kaufkraft ent- 
steht praktisch-finanztechnisch z, B. auf folgende Weise. Die Sachlieferungs- 
smpfänger emittieren im Betrage der Sachlieferungen Aktien oder, wie oben seitens 
der Regierung schon vorgesehen, Obligationen, welche die französischen Banken 
auf die Aktivseite ihrer Bilanzen nehmen und deren Gegenwert sie den Sach- 
lieferungsempfängern. auf der Passivseite ihrer Bilanzen gutschreiben; dann wird 
die Regierung bezahlt, und nun verfügt diese darüber, während sie gleichzeitig 
ihren Untertanen durch Steuernachlaß gestattet, ebenfalls über denselben Betrag 
zu verfügen, Würden diese Untertanen nun sofort von den französischen Banken 
1) Eckert, Die Neuformung Europas, G. A. Gloeckner, Leipzig 1928, S, 23.
	        
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