Object : Fortschritt und Armut

282

Die  Gerechtigkeit  des  Heilmittels.

Buch  VII.

tums  oder  der  parlamentarischen  Regierung,  entkleidete  die  großen
Herren  der  persönlichen  Macht  und  Bedeutung,  ihrer  Jurisdiktion  und
Gewalt  über  die  Personen  und  unterdrückte  so  die  auffälligen  Mißbräuche,
ähnlich  wie  die  Entwicklung  des  römischen  Imperialismus  die  auffälligsten ­
  Grausamkeiten  der  Sklaverei  unterdrückt  hatte.  Die  Zerlegung
der  großen  Lehnsgüter,  welche  solange  als  sich  nicht  die  Notwendigkeit
fühlbar  machte,  in  großem  Maßstabe  zu  produzieren,  darauf  hinwirkte,
dieZahl  derGrundbesitzer  zu  vermehren,  und  die  Abschaffung  derZwangsmaßregeln,
  durch  welche  dieselben,  als  noch  die  Bevölkerung  dünner  war,
die  Arbeiter  auf  ihren  Gütern  zurückzuhalten  suchten,  trugen  auch  dazu
bei,  die  Aufmerksamkeit  von  der,  mit  dem  Privatbesitz  am  Grund  und
Boden  verknüpften  Ungerechtigkeit  abzulenken,  während  der  beständige
Fortschritt  der  Ideen  des  römischen  Rechts,  des  großen  Schachtes  und
Vorratshauses  der  modernen  Jurisprudenz,  darauf  abzielte,  den  natürlichen ­
  Unterschied  zwischen  Grundeigentum  und  Eigentum  an  anderen
Dingen  zu  verwischen.  So  ging  mit  der  Ausdehnung  der  persönlichen
Freiheit  eine  Ausdehnung  des  persönlichen  Grundbesitzes  bfand  in  bfand.
Die  politische  Macht  der  Barone  wurde  überdies  nicht  durch  die
Empörung  der  Klassen  gebrochen,  welche  die  Ungerechtigkeit  des  Grundbesitzes ­
  deutlich  fühlen  konnten.  Solche  Empörungen  fanden  immer
und  immer  statt,  aber  ebenso  oft  wurden  sie  mit  schrecklichen  Grausamkeiten ­
  unterdrückt,  was  die  Macht  der  Barone  brach,  war  die  Zunahme
der  Handwerker-  und  bjandelsklassen,  und  zwischen  dem  Lohn  derselben
und  der  Grundrente  besteht  nicht  dasselbe  klare  Verhältnis.  Diese  Klassen
hatten  sich  ebenfalls  unter  einem  System  geschlossener  Gilden  und  Innungen ­
  entwickelt,  welches,  wie  ich  früher  bei  Besprechung  der  Gewerkvereine ­
  und  Monopole  erläuterte,  sie  in  den  Stand  setzte,  sich  gegen  die
Wirkung  des  allgemeinen  Lohngesetzes  gleichsam  zu  verschanzen,  und
welches  viel  besser  aufrecht  zu  erhalten  war  als  heutzutage,  wo  die
Wirkung  verbesserter  Transportmethoden  und  die  Verbreitung  der
nötigsten  Kenntnisse  und  neuesten  Nachrichten  die  Bevölkerung  beständig
mobiler  macht.  Diese  Klassen  sahen  nicht  und  sehen  jetzt  noch  nicht,  daß
die  Grundbesitzverhältnisse  schließlich  die  Bedingungen  des  industriellen,
sozialen  und  politischen  Lebens  bestimmen  müssen.  Und  so  ging  die
Tendenz  dahin,  den  Begriff  des  Grundeigentums  mit  dem  Eigentum
an  Dingen  menschlicher  Produktion  zu  verschmelzen,  und  man  machte
selbst  Rückschritte  und  begrüßte  sie  als  Fortschritte.  Die  französische
konstituierende  Versammlung  glaubte  im  Jahre  l.789  ein  Überbleibsel
der  Tyrannei  hinwegzufegen,  als  sie  den  Zehnten  abschaffte  und  den
Unterhalt  der  Geistlichkeit  durch  allgemeine  Steuern  deckte.  Der  Abbe
Siöyes  stand  allein,  als  er  erklärte,  daß  man  einfach  eine  Steuer,  die  eine
der  Bedingungen  war,  auf  Grund  deren  die  Besitzer  ihre  Güter  besaßen,
den  Gutsbesitzern  erlasse,  um  dieselbe  der  Arbeit  des  Volkes  aufzuerlegen.
Aber  vergebens.  Da  der  Abbä  Siöyes  ein  Priester  war,  so  sah  man  in
ihm  einen  Verteidiger  der  Interessen  seines  Standes,  während  er  in
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.