stellen. Aber darum handelt es sich hier auch gar nicht. Es gilt, die
Hauptergebnisse der Geschichtsforschung über die hier in Frage
stehenden wirtschaftlichen Verhältnisse herauszustellen, um daraufhin
das Problem selbst beurteilen zu können. Für diesen Zweck ist
auch die hier eingehaltene Art der Stoffbehandlung besonders gerichtet.
Es hätte, scheint mir, gar keinen Sinn, für das Auftreten der
beiden Wirtschaftsformen da neue Belege oder eine eingehende Darstellung
zu bieten, wo meine Auffassung mit der bisher allgemein
verbreiteten übereinstimmt. Diese Partien konnten hier ganz kurz
gefaßt werden. Dagegen war eine eingehende Behandlung überall
dort geboten, wo diese Darstellung von der sonst üblichen abweicht,
oder eine andere Erklärung versucht wird. Da genügt es auch nicht,
Mängel und Widersprüche der alten Lehre kenntlich zu machen, um
damit ihre Beweisführung zu erschüttern; die neuen Lösungsversuche
sollen überdies durch Heranführung von unberücksichtigtem
Quellenmaterial illustriert, oder für die Deutung des alten und bekannten
neue Gesichtspunkte eröffnet werden.
Die Untersuchung des grundlegenden Hauptproblems führt
mehr oder weniger zur Aufrollung anderer Fragen, mit denen unsere
Vorstellungen von dem Ablauf der wirtschaftsgeschichtlichen Entwicklung
im einzelnen verknüpft sind. Ist denn, wenn die Koexistenz
von Natural- und Geldwirtschaft erwiesen wird, die herkömmliche
Darstellung von der Zerschlagung der alten Villikationsverfassung
und Auflassung der Eigenbauwirtschaft im 1o. bis 12. Jahrhundert
haltbar und die spätere Entwicklung nur durch Annahme einer
ökonomischen und sozialen Umwälzung im 12. Jahrhundert zu erklären,
aus der das Pacht- und Renteisystem der „Grundherrschaft‘“
(im engeren Sinne) hervorgegangen sei? Und wenn dem nicht so ist:
kann in weiterer Abfolge alsdann das Auftreten und die Verbreitung
der sog. „Gutsherrschaft“ als eine typische Neubildung am
Ausgang des Mittelalters und Beginn der Neuzeit noch aufgefaßt
werden, die nur dem Osten eigen sei?
Anderseits aber wird das herkömmliche Bild von der Entstehung
des Kapitalismus dann anders gezeichnet werden müssen,
wenn sich ergibt, daß seine konstitutiven Elemente und Auswirkungen
nicht mit der Geldwirtschaft ursächlich zusammenhängen.