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hunderte dauern, ehe dieselben Gedanken wieder ausgesprochen
wurden. Vico fällt deshalb aus dem Rahmen der Geschichte der Geistwissenschaften
heraus. Wenn wir von ihm absehen — und das müssen
wir —, so können wir in der Herausbildung einer geistwissenschaftlichen
Methode, die sich dann die Nationalökonomie zunutze macht.
drei Perioden unterscheiden: die naive, die kritische und die aufbauende.
1. In der naiven Periode entwickeln— ohne jedes Bewußtsein eines
Methodenzwiespalts und überhaupt ohne ein erkenntnistheoretisches
Bewußtsein — Männer verschiedener Geistwissenschaften, eingenommen
von den Problemen ihres ‚Faches‘, die geistwissenschaftliche
Methode, die im wesentlichen, wie später zu zeigen sein
wird, auf dem Verstehen sich aufbaut. Wollen wir "also bis zu den
Quellen der geistwissenschaftlichen Betrachtungsweise ansteigen, so
müssen wir die Geschichte der Erkenntnisform des „Verstehens‘“
verfolgen. Hier ist selbstverständlich nicht der Ort, derartige
historische Untersuchungen anzustellen. Und ich kann um so leichteren
Herzens darauf verzichten, als wir jetzt, wenigstens für die
ältere Zeit, eine gründliche Darstellung des Entwicklungsganges besitzen,
den die Hermeneutik, das ist eben die Lehre vom Verstehen,
genommen. hat?3.
Ich erinnere nur mit ganz wenigen Worten an die wichtigsten Staffeln
in der Entwicklung dieses Erkenntniszweiges.
Die Hermeneutik ist seit Renaissance und Reformation von der
Theologie und Jurisprudenz — ich möchte sagen als eine Technik —
gehandhabt worden. Sie erhielt dann eine vertiefte Bedeutung, als am
Ende des 18. Jahrhunderts Männer wie Herder das Verstehen-Wissen
auf die weiten Gebiete der Sagen- und Sprachenforschung auszudehnen
begannen und mit Hilfe des verstehenden Verfahrens ganze Kulturen
in ihrem Wesen zu erschließen sich unterfingen. Es waren dann begreiflicherweise
vor allem die Altphilologen, die sich dieser Erkenntnisart
für ihre Zwecke bemächtigten: Namen wie Friedrich Ast,
Friedr. Aug. Wolf, Wilh. Boekh sind als die Begründer dieses
23 Joach. Wach, Das Verstehen. Grundzüge einer Geschichte der hermeneutischen
Theorien im 19. ‘Jahrhundert. Bd. I. 1926, Dieser Band reicht bis Wilhelm
vv. Humboldt.