Full text: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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652 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. (1110 
verständigte, so wird das ganze Prämienwesen, auch das der Trusts und Kartelle, inter— 
national geregelt werden müssen. Ebenso wird man über Begünstigungen und Benach— 
teiligungen im Verkehrs-(Eisenbahn-) und Veterinärwesen sich umfangreicher als bisher 
vertragen müssen. Vor allem aber wird die Frage der Gleichstellung der Fremden mit den 
Einheimischen und die Gleichstellung aller Fremden und aller Waren, die meistbegünstigt 
sind, einer weiteren einheitlichen und billigen Ausgestaltung entgegenzuführen sein. 
Wir haben oben (S. 619) auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die sich seit der 
neueren Schutzzollära durch die heutige Form der Meistbegünstigung in dem Verhältnis 
der Staaten mit hohen zu denen mit niedrigen Zöllen ergeben. Das Versprechen, jede 
anderen Staaten gemachte Konzession auch künftig sofort und ohne Gegenleistung 
den Meistbegünstigten einzuräumen, werden die Vereinigten Staaten nach ihren Reci— 
procitätsgrundsätzen nicht geben. Und dann müssen ihnen die europäischen Staaten 
dasselbe ebenso weigern. Die englischen Kolonien haben begonnen, England Konzefsionen 
zu machen, die fie allen anderen Staaten verweigern. Ein gewisses Maß von Differential— 
zöllen entsteht so jedenfalls wieder, wie es ja auch bisher da und dort noch bestand. Daß 
solche aber zwischen im ganzen gleich stehenden benachbarten, durch regen Verkehr ver— 
bundenen Staaten der alten Welt Platz greifen, ist nicht erwünscht. Hier ist die Er— 
haltung der Rechtsgleichheit von überwiegendem Vorteil. Es fragt sich, wie zwischen 
diesen beiden Systemen die Grenzlinie zu ziehen sei, bis wohin die 1860— 1900 in 
Europa hergestellte Art der Meistbegünstigung gehen, wo an ihre Stelle das Reciproci— 
tätsprincip mit Differentialzöllen treten solle, ob und in wie weit größere Ausnahmen 
als bisher in das europäische System der Meistbegünstigung kommen sollen. 
Zunehmende internationale Beratungen über die Grundfätze der Handelspolitik 
und Einrichtung von internationalen Schiedsgerichten für Zoll- und ähnliche Streitig— 
keiten werden das gegenseitige Verständnis und damit die Möglichkeit freundlichen Aus— 
gleiches vermehren. Man wird den Glauben aufgeben müfssen, bei allen solch inter— 
nationalen Verhandlungen und Verträgen handele es sich stets darum, den einen Teil 
zu betrügen. Wenn man mit Sachkenntnis und Billigkeit die gegenseitigen Interessen 
klar abwägt, kommt man, zur Möglichkeit schiedlich gerechter Abmachungen. Sie sind, 
wie in der Welt der Klassen- so in der der handelsbolitischen Kämbfe das aroße Ziel 
einer besseren Zukunft. 
4. Die wirtschaftliche und die allgemeine Entwickelung der Menschheit und der 
einzelnen Völker. Aufsteigen, Blüte und Verfall derselben. 
Die meiste hierher gehörige Litteratur ist bereits an andern Stellen angeführt und wird hier nicht 
wiederholt. Nur einige besonders wichtige und hauptsächlich neuere Schriften seien genannt: Hegel, 
Vorlesungen über Philosophie der Geschichte, Werke 8. Aufl. Bd. 9. 1848. — Fagett, Philo⸗ 
sophie der Geschichte. 1878. — Feserkein, UÜber Vicos Eigenart und Leistung. Hist. 3. N. F. 18. 
1883. — O. Lorenz, Die Geschichtswissenschaft in Hauptrichtungen und Aufgaben. IBde.“1886 
bis 1891. — Mongéalle, Les principes de lLhistoiré. 1886. — Patzig, Über Staatswirtschaft 
in den altorientalischen Staaten. 1886. — Schallmayer, Über die drohende körperliche Entartung 
der Kulturmenschheit. 1891. — Waentig, Aug. Comte und seine Bedeutung für die Entwickelung 
der Socialw. 1394. — Ploetz, Die Tüchtigkeit unserer Rasse. 1895. — Martens, Ein socialistischer 
Broßstaat vor 400 Jahren (das Incareichß, 1895. — Lamprecht, Alte und neue Richtungen in 
der Geschichtswissenschaft. 1896. — Ders. Was ist Kulturgeschichtes D. 3. s. Gesch.Wissensch, RxF. J. 
1896/97. — Der s., Die kulturhistorische Methode. 1900. — Rachfahl, Deutsche Geschichte vom wirt— 
schaftlichen Standpunkt. Preuß. Jahrb. Bd. 83. 1896. — Ders., Über die Theorie einer kollektiviftischen“ 
Beschichtswissenschaft. J. f. N,8. F. 18. 1897. — Hintze, Über individualistische und kollektiviftische 
Beschichtsauffahung. Hist. 3. N. F. 42. 1897. — Derf. Staatenbildung und Wsoheeentwiaemng 
diß 3. N. F. 32. 1902. — Barkh, Die Philosophie der Geschichte als Sociologie. I805 Raßel, 
Politische Geographie. 1897. — Sombar!, Die gewerbliche Arbeit und ihre Organisation. A. f. 
oc. G. 14. 1899. — Kistiakowski, Gesellschaft und Einzelwefen. 1899. — Lawrow, Historische 
Briefe, deutsch. 1901. — Thurnwald, Staal und Wirtschaft im alten Agypten. Z3. f. Soc. W. 4. 
1801. Breysig, Der Imperialismus unserer und aller Zeiten Lotse, Okt. 1800. — Ders., 
Lin Versuch begriffsmaßiger Geschichtsschreibung. J. f. G. V. 1801. — Ders., Ich und Welt in der 
Geschichte. Juf G.v. 19808 VerZahlreiche Aufsäbe in Hardens Zucunft von un u 25. Jan., 
d.Juli 18082, 12. Dez. 1908 und 80. Jan 88Shsnebtet Zur Entwickelung der Geschicht— 
ichreibunalRankes. J. sAchBnose ATabe rbliche Eniainne, bengt dunnee rue 903
	        
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