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Cassel kennzeichnet die Scheidung in Statik und Dynamik
ungefähr folgendermaßen: Die Untersuchung hat vom Ab-
strakten zum Konkreten zu gehen. Sie beginnt mit der rein
statischen Stufe, wo von jeder Veränderlichkeit abgesehen wird
— Cassel spricht daher auch meist von der stationären Wirt-
schaft — auf der zweiten Stufe werden dann solche Verhältnisse
einbezogen, die sich in statischer Form behandeln lassen — die
gleichmäßig fortschreitende Wirtschaft ist hiermit gemeint —
und auf der dritten Stufe haben wir die eigentliche wirtschaft-
liche Dynamik, die Abweichungen des wirklichen Lebens von
der gleichförmigen Entwicklung zu studieren. Die Dynamik
kann man nur mit Hilfe der induktiven Methode untersuchen,
in den beiden ersten Stufen muß dagegen eine rein deduktive
Arbeitsmethode zur Anwendung kommen‘).
Für Cassel ist also das Begriffsmerkmal der Statik Un-
veränderlichkeit der systembestimmenden Daten.‘ Ob man die
gleichmäßig fortschreitende Wirtschaft der Statik oder Dynamik
unterordnen soll, darüber kann man verschiedener Ansicht
sein. Was soll es denn heißen, wenn Cassel schreibt, daß hier.
solche dynamischen Verhältnisse einbezogen werden, die sich
in statischer Form behandeln lassen? Entweder befinden wir
uns dann bereits in der Dynamik und fördern hier mit Hilfe
der in dem höheren Abstraktionsgrade der Statik gewonnenen
Methode weitere Resultate zutage, oder aber, es handelt sich
hier um Probleme, die noch in der Statik lösbar sind, um
Erscheinungen, die noch geklärt werden müssen, bevor wir zur
Untersuchung der Dynamik übergehen. Uns scheint, Cassel
hat diesen letzteren Fall im Auge, worauf auch seine Bezeichnung
der gleichmäßig fortschreitenden Wirtschaft als „quasi-statische
Stufe‘?) hinweist. Cassels statische Wirtschaft ist also jetzt
als eine Wirtschaft mit ständig herrschendem Gleichgewicht bei
konstanten systembestimmenden Daten bzw. bei konstanten
Zuwachsprozenten bestimmter Daten zu definieren. Cassels
Statik ist demnach ein ziemlich hoher Abstraktionsgrad, ein
generelles Erkenntnisobjekt®). Fraglich ist nunmehr, ob man
1) Cassel, Grundgedanken, S. 11/13. Cassel, Theorie, S. 23, 27/28,
136/37, 473. 2) Cassel, Grundgedanken, 5. 11.
3) Vgl. Streller, Statik und Dynamik, S. 51/53.