296
Plato.
Xenonohon.
Aristoteles.
die Erhöhung der politischen Macht, die angemessene Organisation
der Staatsverwaltung und Stärkung der Heeresmacht ansahen. Sie
setzten einen gewissen Wohlstand ohne weiteres voraus und unter-
suchten nicht, wie er zu heben, sondern mehr, wie er zweckmäßig
zu verwenden war. Unzweifelhaft ist dieses mit dadurch bedingt,
daß die Bürger ihre Wirksamkeit hauptsächlich auf politischem Gebiete
suchten, und der größte Teil der wirtschaftlichen Thätigkeit den Sklaven
überlassen wurde, wenn auch natürlich die meisten Bürger genötigt
waren, mit Hand anzulegen, um sich den täglichen Bedarf zu er-
arbeiten. Sie sahen aber, wie in dem Mittelalter der Adel, doch die
Landwirtschaft als das ihrer eigentlich allein würdige Gewerbe an.
Es fehlte in jener Zeit ferner an den Hilfsmitteln der Geschichte
und Statistik, damit an der Sammlung der Erfahrungen über thatsäch-
liche Verhältnisse als Grundlage theoretischer Erörterungen; und die
Mißachtung des Auslandes, der Barbaren, verhinderte die Vergleichung
mit den Zuständen anderer Länder.
So finden wir wohl vereinzelte Betrachtungen volkswirtschaft-
licher Natur, aber ohne jede systematische Zusammenfassung. Wir
begnügen uns, einzelne charakteristische Beispiele herauszugreifen.
Vor allen kommt Plato in Betracht, der in seinem Staats-
ideal uns ein Beispiel der Ziele eines der hervorragendsten Geister
seiner Zeit bietet, worauf wir aber an anderer Stelle zurückzukommen
haben, wo wir die Entwickelung sozialistischer und kommunistischer
[deen darstellen. Zu erwähnen ist aber, daß Plato schon Verständnis
für die Bedeutung der Arbeitsteilung zeigt und nachweist, wie die
Ausbildung der verschiedenen Gewerbe auf dem Prinzip der Arbeits-
jeilung beruht.
Von besonderem Interesse ist für uns die Schrift Xenophons
„Ueber die Mittel, die Einkünfte Attica’s zu vermehren“. Wenn er
auch das Jandwirtschaftliche Gewerbe in erster Linie preist, so zeigt er
doch Verständnis für die Bedeutung des Handwerks wie des Handels
als Grundlagen des Wohlstandes, Die Sklaverei acceptiert er als wirk-
sames Hilfsmittel, wie es seiner Zeit entsprach. Wichtig sind seine
Untersuchungen über das Geldwesen, bei welchen allerdings manches
Schiefe mit unterläuft; aber er erkennt bereits, daß der Wert des
eldes sich anders entwickelt, als der der gewöhnlichen Waren, und
steht über den merkantilistischen Anschauungen, indem er die Nützlich-
keit auch eventuell einer Abgabe des Geldes an das Ausland anerkennt.
Wie Aristoteles die Anschauung und das Wissen seiner Zeit
überhaupt in seinem Werke über die Politik zusammenzufassen sucht,
so finden wir in demselben auch seine Grundanschauung politischer
und wirtschaftlicher Natur vertreten. Der Staat tritt bei ihm in
scharfer Weise als Selbstzweck hervor, dem sich das Privatinteresse
absolut unterzuordnen hat.‘ Und wenn auch nicht so scharf wie bei
Plato, so konzentriert sich auch bei ihm das Interesse hauptsächlich
darauf, wie die Macht des Staates zu heben sei. Dazu dient ihm auch
die Sklaverei, Die Sklaven sind ihm lebendige Werkzeuge, und er
deutet das Wünschenswerte an, dieselben durch mechanische Kräfte zu
ersetzen. Aus der Arbeitsteilung und Besitzverteilung haben sich nach
ihm die Berufsstände und die sozialen Klassen entwickelt. Die Ge-
werbe teilt er in die natürlichen, d. s. die Gewerbe der Rohproduktion
and der Okkupation ein, die er schärfer wie Xenophon als die eigent-
liche Grundlage des Wohlstandes hinstellt und ihnen gegenüber die