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Reichsbank beruhen; nämlich die Voraussetzung, daß die Diskont
erhöhungen der Reichsbank durch die internationalen Goldbewegungen
veranlaßt worden seien. Diese Voraussetzung ist aber die notwendige
Grundlage für die Behauptung, daß die hohen Diskontsätze der
Reichsbank durch die Anwendung der Goldprämienpolitik hätten ver
mieden werden können. Denn nach der Ansicht ihrer eigenen Ver
teidiger ist die Goldprämienpolitik nur ein Gegenmittel gegen Gold
bedarf für das Ausland, nicht aber ein Instrument zur Erhaltung
des Gleichgewichts zwischen den verfügbaren flüssigen Mitteln und
dem inneren Geldbedarf; daß in diesem letzteren Fall nur die Diskont
politik wirksam ist und in Anwendung kommen kann, hat bisher
niemand zu bestreiten gewagt.
Sogar wenn man also den Anhängern der Prämienpolitik alles
zugiebt, was sie über deren Wirksamkeit behaupten, kann man doch
nicht angeben, daß die Reichsbank durch die Anwendung der Prämien
politik die Diskonterhöhungen der letzten Jahre hätte vermeiden
können.
y) Die Wirksamkeit der Goldprämie in Frankreich.
Darüber hinaus sind jedoch die angeblichen Wirkungen unb
Vorzüge der Prämienpolitik keineswegs feststehend oder ilachgewiesen.
Um sie zu prüfen, wollen wir zunächst untersuchen, wie sich die
Prämienpolitik in Frankreich praktisch bewährt hat, ob thatsächlich
der niedrige Diskontsatz Frankreichs in den letzten drei Jahren darauf
zurückzuführen ist, daß die Bank von Frankreich vermittelst ihrer
Goldprämie ihren eigenen Goldschatz und den Goldbestand des ganzen
Landes hinreichend wirksam verteidigen tonnte.
Der Goldverkehr Frankreichs seit 1895 zeigt folgendes Bild:
(in Millionen Francs)
Jahre
Einfuhr
Ausfuhr Mehreinsuhr
1895
1896
1897
1898
(Januar bis September)
253
301
293
150
244
311
182
289
+ 9
— 10
+ 161
- 89
Summe
997
926
+ 71