Full text: Zur Erneuerung des deutschen Bankgesetzes

124 
England als der Mittelpunkt des internationalen Goldhandels 
hat also den größten Teil des für Amerika notwendigen Goldes ab 
gegeben; Frankreich hat dreimal soviel abgegeben als Deutschland, 
trotzdem die Bank von Frankreich dem Goldexport durch eine hohe 
Prämie entgegenzuwirken suchte. 
Freilich ist gegenüber den Angaben der amerikanischen Statistik 
der Einwand möglich, daß ein Teil des aus Deutschland nach den 
Vereinigten Staaten versendeten Goldes über England gegangen sei. 
Dieser Einwand, welcher an sich berechtigt ist, würde jedoch in gleicher 
Weise für Frankreich gelten. Um zu prüfen, wie weit für beide 
Länder die englische Vermittelung Platz gegriffen haben mag, ziehen 
wir die englische Handelsstatistik bei und finden folgendes: 
England hat in den ersten drei Quartalen dieses Jahres aus 
Deutschland 3,6 Millionen F, aus Frankreich 3,7 Millionen ķ in Gold 
empfangen; es hat gleichzeitig an Deutschland 7,5, an Frankreich nur 
0,8 Millionen F abgegeben. England hat also nach Deutschland netto 
3,9 Millionen F exportiert, von Frankreich netto 2,9 Millionen F im 
portiert. Soweit also England Goldversendungen nach Amerika ver 
mittelt hat, scheint diese Vermittelung in erheblich größerem Um 
fange für Frankreich als für Deutschland stattgefunden zu haben. 
Die speciellen Vorgänge des laufenden Jahres bestätigen voll 
kommen die Ergebnisse der Gesamtzahlen für die letzten Jahre, daß 
nämlich Frankreichs Stellung im internationalen Goldverkehr, trotz der 
zeitweise sehr hohen Goldprämie, ungünstiger war, als die Stellung 
Deutschlands. Die Leitung der Bank von Frankreich selbst scheint 
sich in Anbetracht des fortgesetzten starken Goldabflusses der That 
sache nicht mehr verschließen zu können, daß sie mit der Prämien 
politik allein nicht auskommen kann; denn sie hat im Oktober ihren 
fast drei Jahre lang aufrecht erhaltenen Diskontsatz von 2 °/o, welcher 
angeblich durch die Prämienpolitik garantiert sein sollte, preisgegeben 
und ist auf 3 % in die Höhe gegangen. 
J) Die Bedingungen und Folgen der Wirksamkeit der 
Prämienpolitik. 
Wie kommt es nun, daß die so einleuchtende Deduktion der 
Verteidiger der Goldprämie so wenig zutrifft? 
Die Verteidiger der Goldprämie gehen voll der Ansicht aus, 
daß die Goldbewegungen willkürlich von der internationalen Arbitrage 
in Scene gesetzt würden, und sie glauben, man könne dem gemein-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.