Full text: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

24.0 
(30) 1840 April 5 
wolltest, so hätte ich es mir vorgenommen, Aber es versteht sich von 
selbst und bedarf nicht der Erwähnung: Du mußt darüber lesen, Du mußt 
es schon deshalb, weil Du Dich schon lange mit einem Worte über diese 
Angelegenheit getragen hast. Es wird ungeheures Aufsehen machen. Ich 
werde im Winter eine Kritik der gegenwärtigen protestantischen Theologie 
publice lesen und die positive, apologetische Dogmatik zum Hauptgegen- 
stand machen. Für den Sommer habe ich vier Collegia angekündigt, 
darunter das Leben Jesu und Kritik des vierten Evangeliums. Ich werde 
Dir Köstliches erzählen können, wie die hiesigen allein schon die An- 
kündigung aufgenommen haben. Kritik des vierten Evangeliums! mußte ze 
ich ändern, weil es zu philosophisch und frivol klinge!! Es sind köst- 
liche Späße vorgefallen, ich suche sie aber zum besten zu wenden, sonst 
wäre der Krieg längst ausgebrochen. Aber ich sehe ihn doch nahen. 
Also Rutenberg ist nicht nur der Alte, sondern wird noch lang- 
weiliger? Der arme Tropf! Er hat noch Klappenbachs Kritik der Ge- ı 
heimnisse der Burschenschaft nicht gelesen und wird doch von der 
schalen Albernheit dieser Burschenschaft so gründlich in Besitz genom- 
men? Ich sah das aber schor seit vielen Jahren so kommen, und es wird 
noch ärger kommen, Über mich sollte er nur auch nicht sprechen! Gerade 
in Leiden, die er gar nicht kennt, sehe ich immer klarer meine Bestim- z 
mung sich ausbilden, und ich bin glücklich, weil ich denselben immer 
antschiedener entgegengehe und für sie erzogen werde. Ich weiß doch, 
warum ich leide, und wenn ich jetzt schon sage: die Theologie habe recht 
mich leiden zu lassen, so weiß ich, wird bald der Standpunkt kommen, 
wo sich noch mehr zeigen wird, daß sie wußten, woran sie mit mir sind. 2% 
Grüße den guten, ganz guten Köppen! 
Nun? Sieht uns zu Pfingsten der Rhein zusammen an seinen Ufern? 
Trinken wir dann unter dem Duft der Weinblüte Maitrank oder ein Glas 
vom Unverfälschten? Schreibe ja recht bald, wie weit Du bist und ob 
Du ernstlich die Sache betreibst 
Deinem B. Bauer. 
Bonn, den 30. März 40. 
30. Bruno Bauer an Marx in Berlin; Bonn 1840 
April 5 
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin 
Lieber Marx! 
Erlaubst Du mir, noch einmal den Weisheitsstuhl zu besteigen? Nenne 
diesen Stuhl und mache mit diesem Blatt, was Du willst, aber ich brauche 
dann nachher, wenn Du nur einmal hier bist, diese klugen Reden nicht 
mehr zu halten, und wir können über bessere Dinge sprechen. Hier wie « 
anderwärts werden wir doch einige Zeit die Stelle der Opposition ein- 
nehmen, und es wird in kurzem ärger werden, als es jetzt schon ist. Aber 
die Leute, mit denen wir hier in Gesellschaft und im täglichen Verkehr 
zusammenkommen, wissen nicht, um was es sich handelt, und haben keine 
Ahnung davon, in welchen Konflikt Staat und Wissenschaft immer mehr 4;
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.