8 Die internationale Verschuldung
sten Belastungen des ehemaligen weltwirtschaftlichen Gleichgewichts
geworden.
Als ein Moment ganz ausschließlicher Art und spezifischer Tragweite
kommt die Kriegsverschuldung in Betracht. Hier handelt es
sich nicht darum, daß etwa wie im Kriege 1870/71 ein besiegtes
Land einem anderen einen Tribut zahlt, den dieses weltwirtschaftlich
gesehen zu neuer Produktivität verwertet, so daß der Schaden
des einen wenigstens der Vorteil eines anderen international bedeutsamen
Staates sein konnte. Der Weltkrieg hat eine internationale
Verschuldung hinterlassen, die das europäische Wirtschaftsleben zugunsten
der Vereinigten Staaten belastet. Die alliierten europäischen
Mächte schulden ihnen 1315 Millionen Pfund Sterling, gleich ca.
26,3 Milliarden Goldmark. J. M. Keynes hat berechnet, daß, wenn
der englische Staat jeden Tag der Woche eine halbe Million Dollar
jahrelang an Amerika zu bezahlen hat, diese Leistung den gesamten
Reinertrag seiner Schiffahrt und seines Kohlenbergbaues zusammengenommen
überschreitet.?!) Aber die Vereinigten Staaten
von Amerika haben ihrerseits die ihnen zuströmenden Goldzuflüsse
nicht etwa zu einer Belebung der Geschäftstätigkeit auf dem Wege
des Kredits benutzt, sondern sind zunächst zu einer Thesaurierungspolitik
(zum Teil auch in Befürchtung einer kommenden Goldknappheit)
übergegangen, die eine Pari-Deckung ihrer Noten herbeiführte.?)
und damit nahe an eine Goldinflation grenzte. Erst allmählich
und nicht zuletzt beeinflußt durch die chronische und sich
immer mehr verschlimmernde Wirtschaftskalamität Europas entschlossen
sie sich, die Goldhypertrophie in größerem Maßstabe in
Form von Auslandskrediten wieder nutzbar zu machen. Dabei verdient
es bemerkt zu werden, daß auch die Vereinigten Staaten unproduktive
Nachkriegsausgaben gehabt haben, deren Wirkung
heute noch fühlbar bleibt; hat man doch nach den Berichten des
U. 5. Shipping Board berechnet, daß dieses Amt in neun Jahren
seines Bestehens nicht weniger als 3523 Millionen Dollars für die
21) Vgl. Economist vom 14. Februar 1925 und Wirtschaftsdienst vom
16. Januar 1925. S. 82.
22) Vgl. Levy, Amerikas Wirtschaft unter dem Einfluß des Goldreichtums.
Zeitschrift f. Geopnolitik. Mai 1924. S. 291 ff.