Politische Wirren
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Ausdruck dieser Unruhe, die sich nur durch weitgehendste Zugeständnisse
sozialpolitischer Art, zum Teil unter Aufopferung des
rein. wirtschaftlichen Staatsinteresses (wie neuerdings durch die Subventionen
an den Bergbau) einigermaßen dämpfen ließ.) Dazu
kamen in der ganzen Welt politische Ereignisse weittragender Art,
die sich vielleicht als Nachwehen des größten aller Kriege bezeichnen
lassen, aber selbst heute noch nicht verloschen sind. Es gehört
hierhin: der Abfall Irlands (bzw. des heutigen irischen Freistaats),
die Besetzung des Ruhrgebietes als überraschende und willkürliche
Erweiterung der „Friedensverträge‘“ mit der zeitweiligen Lahmlegung
des bedeutendsten Teils der deutschen (sprich: mitteleuropäischen)
Industrie, die Wirren im nahen Osten und die Auseinandersetzung
zwischen Türkei und Griechenland, die Revolution in
Mexiko, in der augenblicklichen Gegenwart: der Krieg in Marokko
und die Revolution in China.
Es ist kaum nötig auszuführen, wie außerordentlich erschwerend
direkt und indirekt diese Wirren politischer Art auf das weltwirtschaftliche
Leben gewirkt haben und weiter wirken. Erinnert sei
an die Verluste an Arbeitstagen, also an Produktivität innerhalb
des volkswirtschaftlichen Jahresablaufs, durch Streiks und Aussperrungen
??), an die Abschreckung der Ausfuhr nach den beunruhigten
Gebieten — was ganz besonders heute bezüglich der Ausfuhr nach
dem fernen Osten zu konstatieren ist?) — und an die andauernde
Unsicherheit des Welthandels auf lange Sicht, solange mit einem
immer erneuten Aufflackern kriegerischer oder revolutionärer Ereignisse
hier und dort gerechnet werden muß. Die mangelnde innere
und außenpolitische Pazifizierung der Welt ist eine der schwer-18)
Auch Lloyd George erklärt in dem oben zitierten Buch von
Mrs. Fisher: „In unserem Lande wurde unsere Aufmerksamkeit durch
Jähmende Arbeitsstreitigkeiten von einer bisher in der Geschichte nicht
dagewesenen Größe und durch die ernsten Verhältnisse in Irland abgelenkt.“
19) Nach den Mitteilungen der Vereinigung deutscher Arbeitgeberverbände
(Geschäftsbericht 1923/24, S. 38) betrug die „Rechnungsziffer“
{d. h. Streikende oder Ausgesperrte mal Dauer der Bewegungen in Tagen)
im Jahresdurchschnitt 1899—1913 ca. 8 Millionen, dagegen im Jahre
1920 54 Millionen, 1921 30 Millionen.
20) Vgl. Survey of Overseas Markets. S. 8.
Levy, Weltmarkt