Zollpolitik Kanadas und Australiens Zi
methoden über den Kopf des Parlaments hinweg (nur die Genehmigung
des Handelsministers ist erforderlich) durchaus nicht immer
freundlicher Kritik seitens der australischen Kaufmannschaft begegnet.
Wie theoretisch zunächst der Begriff des „Schutzzolles“ gehandhabt
wird, zeigt die Tatsache, daß die Einführung einzelner
Zollpositionen im Jahre 1924 verschiedentlich „verschoben“ werden
mußte, weil die zu schützenden Industrien einfach nicht in der Lage
waren, die betreffenden Waren in so kurzer Zeit selbst zu liefern.
Seit dem 1. April 1925 verlangt die australische Regierung für die
Gewährung des Vorzugszolles an England den Nachweis, daß mindestens
75% der in diesen Waren steckenden Kosten aus Arbeit
und Rohstoffaufwendungen bestehen, die rein englischer Natur sind.
Damit ist sicherlich eine Verschärfung der Schutzzollpolitik gegenüber
nichtenglischen Ländern, wenn nicht auch England gegenüber
gegeben, da es fraglich ist, ob England die für australischen Bedarf
veredelten Waren nunmehr so gut wie ohne eingeführte Rohstoffe
zu erzeugen imstande sein wird,
Von Kanada wurde bereits gesagt, daß die absolute Höhe seines
Zolltarifes beträchtlicher ist als diejenige irgendeines anderen Staates
innerhalb des britischen Imperium. Dazu kommt neuerdings, daß
die Sätze des Generaltarifs (Kanada führt einen Generaltarif, den
sogenannten General Tariff, einen Konventionaltarif, der „intermediate‘“
Tariff genannt wird, und einen dritten, der die Vorzugszölle
umfaßt) im Vergleich zu den Vorzugszöllen gegenüber Vorkriegszeiten
wesentlich erhöht erscheinen, was besonders die Einfuhr
aus den Vereinigten Staaten und aus Deutschland trifft. Südafrika
hat im Jahre 1922 und 1923 erhöhte Zölle gegenüber einer
Schleuderausfuhr eingeführt, deren Interpretation — wie in allen
englischen Kolonien — sehr weit geht. Ein neues Tarifgesetz ist in
Vorbereitung, das erhöhte Sätze und eine Verringerung der Vorzugszollbehandlung
vorsehen soll.
Als Ganzes bildet also das britische Weltreich außerhalb. des
Mutterlandes das Bild eines abgeschlossenen Schutzzollgebietes, dessen
Mauern gegenüber dem Auslande wie gegenüber dem Mutterlande
seit dem Weltkrieg noch erhöht worden sind, während Tendenzen
zu einer freiheitlicheren Ausgestaltung der Handelspolitik
nicht vorliegen.