Das Projekt der Verpachtung der Staatsbahnen stieß bei der Regierung Rücktritt des
jedoch auf entschiedenen Widerstand, ohne daß man sich aber über die He Dan
Art und Weise einigen konnte, in welcher der Bau der Eisenbahnen in Arbeiten.
den Nationalterritorien sowie die Verwaltung der übrigen Staatsbahnen
weitergeführt werden Sollte. Die Meinungsverschiedenheiten führten
schließlich zu einem Konflikt zwischen dem Finanzminister Dr. Pifiero und
dem Minister der öffentlichen Arbeiten Ramos Mexia, der den Rücktritt
beider zur Folge hatte. Der Finanzminister hatte erklärt, daß die Regierung
unter keinen Umständen im Interesse der Fortsetzung der Bahnbauten eine
neue Anleihe aufnehmen werde; Herr Ramos Mexia bestritt, daß dies die
Auffassung des Präsidenten sei. Der Präsident lehnte es jedoch ab, der
Auffassung von Dr. Pifiero unbedingt beizutreten und es hat daher den
Anschein, als ob in absehbarer Zeit doch mit einer neuen Anleihe wird
gerechnet werden müssen, sobald die Lage des Geldmarktes deren Unter-
bringung nicht mehr erschwert.
Zugleich mit seinem Rücktrittsgesuch hat Herr Ramos Mexia auch eine
Denkschrift eingereicht, in der er die Deckungsfragen der Bahnbaukosten
behandelt. Er bespricht darin die Nachteile, die durch die fortwährende
Ausgabe verschiedener Titel zur Zahlung der aus den verschiedenen Bau-
verträgen herrührenden Verpflichtungen entstehen, und Schlägt vor, an
Stelle derselben eine einzige große Anleihe in Serien zu emittieren. Es
ist allerdings richtig, daß die rasch sich folgenden verschiedenen Typen
der kleinen Eisenbahnanleihen das allgemeine Kursniveau nachteilig be-
einflußten, denn sie mußten sehr oft zur Unzeit auf den Markt gebracht
werden. Andererseits hätte aber die Aufnahme einer neuen Anleihe in
Höhe von 300 Millionen Pesos Gold, wie sie Herr Ramos Mexia plante,
die Staatsschulden mit einem Male um über 50% erhöht, und es ist klar,
daß sich gegen ein derartiges Projekt schwerwiegende Bedenken erheben
mußten. — Der neue Minister der öffentlichen Arbeiten, Dr. Carlos Meyer-
Pellegrini, wird, wie bisher verlautet, den Ausbau der Staatsbahnlinien fort-
zusetzen suchen, jedoch wird beabsichtigt, in erster Linie die Provinzial-
bahnen zu fördern, während die Ferrocarriles de Fomento_in den Terri-
torien vorläufig zurückstehen soll.
Die Frage der Verbindung des argentinischen Eisenbahnnetzes mit dem Anschluß des
bolivianischen ist‘ nach langer Zeit wieder einen Schritt weitergekommen. A
Schon im Jahre 1894 war über diese Frage ein Abkommen zwischen den .
beiden Regierungen geschlossen worden, in welchem jede derselben es
übernahm, auf ihrem Gebiet die notwendigen Studien und Vorarbeiten aus-
führen zu lassen. Das Interesse Boliviens an dem Ausbau des Bahnnetzes
War damals besonders groß, da die Verbindung mit der Westküste noch
Nicht bestand, und das Entgegenkommen Argentiniens erklärt sich aus: dem
damaligen Gegensatz zu Chile wegen der Grenzfrage. Im Abkommen vom
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