Object: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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gehen zur Dauerauswanderung über. Und wenn auch anfangs noch Geld in die 
Heimat geschickt wird, so hört das in vielen Gegenden bald auf und ein Teil der 
Bevölkerung, oft die tüchtigsten Elemente umfassend, ist für immer für den Staat 
verloren. 
Wir sehen an den wenigen Beispielen, wie sehr das militärische Interesse 
mit allgemeinen Organisationseigentümlichkeiten zusammenhängt. Je mehr eine 
Organisation die produktiven Kräfte auszunützen vermag, umsomehr Lebensmittel, 
umsomehr Soldaten sind im Lande. Unsere Organisation ist nicht ausreichend 
dadurch charakterisiert, daß man feststellt, sie weise eine ungleiche Ver 
teilung der Güter auf, kenne arm und reich. Dies genügt keineswegs» 
Unsere Organisation weist einerseits eine ungleiche Verteilung der Vermögen 
auf, andererseits aber auch eine ungenügende Ausnützung der pro 
duktiven Kräfte. Es wird daher weniger verbraucht, als verbraucht werden 
könnte. Die Bevölkerung hat weniger zu essen, als nach den natürlichen Ver 
hältnissen möglich ist, die Armeeverwaltung hat nicht so viel Kriegsmaterial, 
nicht so viel Soldaten zur Verfügung, als man unter Berücksichtigung der im 
Lande vorhandenen produktiven Kräfte und Menschenmassen erwarten sollte. 
Die in Tabelle V gegebene Übersicht zeigt deutlich, wie sich die Organisation 
nach den Gesichtspunkten der Verteilung und der Ausnützung klassifizieren läßt. 
Tabelle V. 
Ausnützung der produktiven Kräfte 
Verteilung unter A und B 
voll 
gleichmäßig 
ungleichmäßig 
ungenügend 
gleichmäßig 
ungleichmäßig 
Wir sehen, daß im Falle der vollständigen Ausnützung die vorhandenen 
Güter gleichmäßig oder ungleichmäßig unter die beiden Klassen A und B, die aus 
gleich viel Menschen bestehen mögen, verteilt werden können. Man kann sich 
ebenso eine Gesellschaft denken, welche die produktiven Kräfte nicht voll aus 
nützt, weniger erzeugt als sie könnte, aber das reduzierte Gesamtprodukt gleich 
mäßig verteilt, während in einer anderen Gesellschaft, so in der unseren, einer 
seits die produktiven Kräfte nicht voll ausgenützt werden, andererseits auch 
die Verteilung der Produktion eine ungleichmäßige ist. 
Die Tatsache, daß unsere Gesellschaft die vorhandenen Produktivmittel 
ungenügend ausnützt, hat auf dem Gebiete der Kriegsrüstungen und des Krieges 
zuweilen Wirkungen, die man nicht von vornherein erwarten sollte. Wenn wir 
hören, daß durch die Kriegsrüstungen und durch das Kriegführen das Leben der 
Bevölkerung sich erheblich verschlechtert, so erscheint das als etwas Selbstver 
ständliches. Die Armee und die Kriegführung überhaupt verwenden eben einen 
Teil der Produkte, welche sonst von der Bevölkerung konsumiert worden wären. 
Auf die gelegentlich gehörte Bemerkung, daß die Rüstungen Geld unter die Leute 
bringen, also nicht schlecht auf das Wirtschaftsleben wirken, kann man erwidern: 
Die Bevölkerung würde sich wohler dabei befinden, wenn 
das Geld dadurch unter die Leute käme, daß man statt der 
Kriegsschiffe Schulen und Theater bauen würde. Ob mög 
licherweise der Kriegserfolg die Aufwendungen lohne, kommt bei dieser Erwägung 
gar nicht in Frage. 
Die Kriegführung kann aber gelegentlich die Lebensweise der Be 
völkerung geradezu verbessern. Ehe ich diese merkwürdige Tatsache bespreche, 
will ich zwei Schriftsteller diese Tatsache mit ihren eigenen Worten beschreiben 
lassen. Beide sind keine Freunde des Krieges, der erste ist Joseph Lo\ye, ein 
englischer Praktiker aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, der ein auch 
heute noch lesenswertes Buch über die Wirkungen der Napoleonischen Kriege 
auf England verfaßt hat. Es heißt in demselben unter anderem : „Nachdefn 
wir in den ersten Jahren des Kampfes die größte Geldnot erfahren hatten, schienen 
sich unsere Hilfsquellen mit den zunehmenden Bedürfnissen zu erweitern und
	        
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