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IV. Buch. Nachträge.
Das Wiederaufleben der Studien und der Philosophie im 12. Jahr
hundert, die Periode der Scholastiker, brachte einen Aufschwung auch
-in der Beleuchtung der Probleme des Reichthums, des Eigenthums, der Con-
sumtion, des Werthes, der Preise, der Monopole, des (Geldes und des Dar
lehensverkehrs mit sich; diese Fragen wurden sowohl in den Commentarien
zu Aristoteles als in Werken über canonisches Recht und Moraltheologie
behandelt. Eine Darstellung und Besprechung der ökonomischen und der
politischen Verhältnisse und Aufgaben in besondern Werken und Vortragen
fand dagegen nicht statt. Später wurde dem aber anders. Infolge jener
Ausdehnung des Handels, welche sich aus der Entdeckung der Reuen Welt
und des Seewegs nach Indien ergab, der Fortschritte in der Technik, der
Hähern Entwicklung des staatlichen Lebens und der nationalen Verschieden
heiten mußte sich das Gebiet der Volkswirtschaftslehre bedeutend erweitern,
während gleichzeitig die Auflösung der bisher in Europa bestandenen Einheitlich
keit der Weltanschauung und der Wissenschaft und die bittern religiösen und
nationalen Antipathien einen Übeln Einfluß auf die Behandlung der ökono
mischen Probleme ausübten.
Unter solchen Auspicien begann das Zeitalter des Mercantilism ns
nicht nur in der Praxis der Staaten, sondern auch in der politischen Oeko-
nomie, welches viele lehrreiche Werke über einzelne Gebiete dieser Wissenschaft,
nicht aber über die allgemeinen Grundsätze derselben zu Tage förderte. Es
brachte kein ökonomisches Buch hervor, welches nur halb so bedeutend gewesen
wäre wie das große Werk des Hugo Grotius über die Politik. Cs ist fiir
diese Periode charakteristisch, daß es sich die Wirtschaftswissenschaft zur Haupt
aufgabe machte, darüber Belehrungen zu ertheilen, auf welche Weise die ein
zelnen Staaten reich werden könnten. Diejenigen, welche diese Kunst lehrten,
waren nun im allgemeinen darüber einig, daß das entscheidende Merkmal
für den Grad des Reichthums, dessen sich ein Land zu erfreuen habe, in der
innerhalb der Grenzen desselben circulirenden Geldmenge zu suchen sei. So
pries man denn die Segnungen einer dichten Bevölkerung und eines lebhaften
Handels, und empfahl die Eröffnung von Märkten für die heimischen Cr-
zeugniffe im Jnlande wie im Auslande und als Mittel zur Erreichung des
letztern Zieles den Abschluß von Handelsverträgen, während man zur Förde
rung des Absatzes im Jnlande eine möglichst weitgehende Verhinderung des
Imports fremdländischer Prodncte befürwortete.
(Freiburg 1881, 2. Aust. 1895), als überaus reich au Bezugnahmen auf die Väter
hervorzuheben. Besonders der 4. Abschnitt: Wucher und Zins (S. 207—319, 2. Ausl.
S. 251—362), ist eine wahre Fundgrube für die Kenntniß der ökonomischen An
schauungen derselben. Vgl. unter anderem die S. 259—269 (2. Ausl. S. 312 320)
aus der Schrift des hl. Ambrosius .De Tobia* mitgetheilten Stellen.