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Jieselben zu übernehmen bereit sind. Darauf können die Kunden zu
jeder Zeit ohne Umstände in der entsprechenden Höhe Darlehen er-
halten. Dieses System ist seit mehr als 100 Jahren in Schottland
oingebürgert und hat sich durchaus bewährt.
In Deutschland suchen 2. die Schulze-Delitzschschen Volks- schultze-De-
banken, oder Kreditgenossenschaften den gleichen Zweck zu erreichen, litzsch’schen
nur dass sie Genossenschaften sind, die von den Beteiligten selbst ge- Volksbanken.
oildet und meistens durch Solidarhaft gestützt sind. Wir haben noch
auf sie zurückzukommen. Sie sind in erster Linie für Handwerker und
kleine Kaufleute bestimmt, doch beteiligen sich auch Landwirte
namentlich in dem östlichen Deutschland in grosser Ausdehnung daran.
Hier liegt aber ein gewisser Gegensatz zwischen den Bedürfnissen der
Landwirte und der Kaufleute vor, vor allem, weil die ersteren im
allgemeinen einen längeren Kredit in Anspruch nehmen müssen, als die
letzteren. Gewöhnlich gewähren diese Banken nur Kredit auf ein
Vierteljahr, was für den Landwirt zu kurz ist. Es muss dann Prolon-
yation eintreten, die zuweilen Umstände in sich schliesst. Bei nicht
cegem Geschäftsverkehre fehlt der Leitung mitunter die nötige Ueber-
sicht über die Kreditwürdigkeit der Landwirte, so dass diese Einrich-
tung nicht überall den Anforderungen genügt. Deshalb hat eine dritte
Organisation, besonders in dem westlichen Deutschland, aber auch
schon über unsere Grenzen hinaus Bedeutung gewonnen, die nach dem
Namen des Gründers als 3. Raiffeisensche Darlehnskassenv GT-R aiffeisen’sche
sine bekannt sind, und seit den fünfziger Jahren des letzten Jahr- Darlehens
hunderts eine wachsende Bedeutung und änsserst segensreiche Wirk- kassen.
zsamkeit gewonnen haben. Sie unterscheiden sich von den eben er-
wähnten Volksbanken vor allem dadurch, dass sie sich ausschliesslich
an die Landwirte wenden, und unter diesen lokalisierte Vereine bilden,
die eine oder mehrere Gemeinden umfassen, und die Grundbesitzer der-
selben mit ihrem Grundbesitze für den Verein haften lassen. Sie ge-
währen in der Regel für cin bis zwei Jahre Darlehen, ausnahmsweise
aber auch länger. Die Mittel dazu verschaffen sie sich durch Spar-
einlagen, durch Ausgabe von Anteilscheinen gegen Einzahlung bestimm-
ter Summen und schliesslich durch Aufnahme grösserer Anleihen. Da
dieselben meist durch kurzfristige Kündigung aufgenommen wurden,
standen sie in einem Gegensatze zu den für längere Frist gewährten
Vorschüssen und schlossen eine entschiedene Gefahr ein, weshalb jetzt
eine gleiche Frist für Anleihe und Vorschuss verlangt wird. Neuer-
Jings ist eine zentrale Genossenschaftsbank in Neuwied gegründet,
welche grössere Darlehen an die einzelnen Vereine gewährt. Kin
Grundprinzip war bisher, die Verwaltung nur chrenamtlich durchzu-
führen, was sich aber bei grösseren Vereinen nicht völlig hat durch-
führen lassen. Sie unterscheiden sich ferner von den Schulze-Delitzsch-
schen Genossenschaften dadurch, dass sie die erlangten Ueberschüsse
nicht als Dividenden verteilen wie diese, sondern als Reserve zurück-
behalten oder zur Neugründung ähnlicher Vereine verwerten.
. Es ist allgemein konstatiert, dass, wo solche Vereine sich aus-
breiteten, dem Wucher der Boden entzogen wurde, und eine Menge
Landwirte durch billigen Kredit und nachsichtiges Entgegenkommen,
im Falle dieselben in Zahlungsschwierigkeiten gelangten, in ihrem Be-
sitz und Betrieb erhalten wurden, die sonst unzweifelhaft von Haus