10. Titel: Auftrag. 88 674, 675. 1201
diefer Frage der Wilfenfhaft überfallen werden fönne, da {ih der Begriff
der „Verpflichtung zur Gejhäftsbeforgung“ im Rahmen einer GejeBe3=
beitimmung auch durch eine anderweitige Zahlung nicht erfhöpfend verdeut:
lichen lafjen. mürde. (BP. IV, 377.) Xn der Tat herricht über den Begriff
der „Gejchäftsbejorgung“ lebhafter Streit, |
Bweifello8 it zunächtt nach der Saflıung des Gefebe3, daß nicht
jeder Dienit- oder Werkvertrag unter 8 675 fallen Fann. Aozulehnen
it daher die Yuffaflung, alZ jet unter Gefchäftsbeforgung jede Entfaltung
von Tätigleit zur Erledigung einer beftimmten Angelegenheit oder einer
Mehrheit beftimmter Angelegenheiten zu verftehen, da hienach jeder Werk
vertrag unter S 675 fallen würde (diefe u.a. DON Kaeger, Nomm. 3. RO.
L. Yufl. Anm. 10 zu $& 22 im Anjchluß an Gellwig Werträge auf Leiftung
an Dritte) vertretene Unfchanung ift von Iaeger Jelbit in der 2. Aufl. Unm. 10
zu 88 22 RD. aufgegeben worden; fie wird ferner vertreten von Brücknannt
5. S. 1208 Note *] S. 26, Windicheid-Kipp, Band. Bd. 2 S. 723, Scholl-
neyer S. 91, Hadhenburg, Dienit- und Werkvertrag im BOB, S. 14 ff.
amd Pland Bem. 2; ähnlich aud Lenel a. a. D.; 1. aber auch %. IV, 377:
‚jedenfall® müfle davon ausgegangen werden, daß nicht ohne weiteres in jeder
Tätigkeit des Dienitverpflichteten oder des Nebernehmer3 eine Gefchäfts-
Seforgung zu finden fei”). ;
Da das Gefeß ferner von der Beforgung eines „® e{Häft3“, nicht
zine8 „Mecht8geidhätts“ fpricht, Kann die Anmendbarfeit de8 S 675 nicht
auf folge Säle befchränkft werden, in denen die Vornahme von RecdhtS=
zefchäften oder reht8gefhäfts8artigen Handlungen in Frage
itebt N Bem. 4, b zu S 662, ebenfo Sent a. a. D. S. 79 ff., Zotmar a. a. ©.
S. 276 ff., Urt. 5. HRS. Celle vom 16. November 1905 Iipr. d. VLG. Bd. 12
S, 273; zu eng ift daher die Nuffaflung von Enneccerus & 384, 1 [„Recht&-
zejchäfte und rechtlich bebeutfame A Staub, Komm. A
8. Aufl. Anm. 2 und 3 3u $ 362; 1 auch De. 11, 855: „Bei dem Ausdruck
„ein Ge{chäft beforgen“ ijt Ihon nach dem allgemeinen Sprachgebrauche Das
Migverltändnis ausgefchloffen, al8 ob darunter nur Rechtshandlungen oder
Itechtsgefehäfte, nicht auch tatjächlidhe Dienftleiftungen 3U verfteben mären“).
Daß der Gejchäftsherr an der Vornahme des Sefchäfts tatfüchlich
der rechtlig behindert fei fo Planck 1. und 2. Aufl. Bem. 2) lt dem
Begriffe der Geichäftsbeforgung feineSwegs Ypelentli (übereinftimmend
Brücmann a. a. ©. S. 23 Note 1 und DO. Venel a. a. OD.)
Der gejeblichen Begründung entbehrt die Annahme von be
'8 293, IV), daß S$ 675 lediglich auftragäbhnlidhe Dien]t- und Werk
jerträge, alfo Diejenigen Geichäfte betreffen joll, die man gemeinrechtlich
dem Mandat unterftellte (äbntig Goldmann-Lilienthal S. 701 Anm. 3;
gegen dieje Anficht 1. ingbejondere Crome S 252 Anm. 6 und Enneccerus
x. a. D. Ann. 3). |
‚Seht man (ma8 bei der Unflarheit der GefebeSmaterialien nicht zu
Dermeiden fein wird) vom Spradhgebraeuche des täglichen Lebens
2u8, fo wird unter „Gefdhäftsbeforgung“ die Erledigung jeder Angelegenheit
su verfteben fein, Die Der wirtfhaftlidhen Sntere[feniphäre
2ine8 anderen des Gefchäftsherrr) angehört (im wefentlichen über-
snjtimmend Crome S. 612 ff, Dertmann Bem, 1, b, RON Komm.
Borbem. 2 vor S 662 [„Gejhäftsbeiorgung ift jede felbitändige Tätigkeit
mirt{chaftlihen Charakters, die im Snterelie eineS anderen vorgenommen
wird“), „Saeger Komm. 3. RD., 3./4. Nufl. Anm. 10 zu 8 22, Qotmar a. a. D.
5. 279 ff. Cofac LS. 594, Kohler S. 116 HF, Neumann Vorbem. IN vor
3 622, Bernau a. a. D., Puttfammer a. 0. ©. S. 26 ff, za S. 43 ff,
ürt. d. OLG. Celle vonı 16. Novenıber 1905 Kipr. d. OLG. Bd. 12 S. 273).
Hienach fällt unter 8 675 nicht nur die Beforgung von Recht8gefchäften,
‘ondern auch eine Reihe tatjächlidher Berridhtungen, 3. BB. die
Zeitung und Ausführung eine8 Baues (and. An]. Befchl. d. OLG. Dresden
vom 27. Oftober 1908 Mipr. d. DLG. Bd. 20 S. 223), die Verwaltung
zine8 fremden Vermögens, em in anderen Fällen, 3. B. hinfichtlich der
Tätigkeit des ‚Erzieher58, des Arztes, des Vorlefer8 und dal. von „Gefchäfts-
Jeforgung“ nicht QETPED DEN werden kann. .
Nu der Braxis vol. Urt. d. Keichsger. vom 14. April 1904 ROE.
Bd. 57 S. 392 #. Auftrag zur Intereflenvertretung bei der Hwangsver-
jteigerung eines ®rundftick8), Urt. d. MeichSger. vom 29, Dezember 1905
Xur. Wichr. 1906 S. 109 ff. und des YDLO. ®olmar vom 23. Zebruar 1906
Staudinger, BGB, Hb (SchuldverhHäktniffe, Engelmann: Auftrag). 5.16. Aufl. 76